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Fahrradmeditationen von der Kanalküste zum Mittelmeer: Meine Alternative zur Tour de France

Als die Tour de France 2017 in vollem Gange war und das 200-jährige Jubiläum des Fahrrads gefeiert wurde, unternahm Greg Dickinson von Rough Guides sein eigenes Radabenteuer durch Frankreich – und entdeckte die transformative Kraft des Pedalierens.

Ich schalte einen Gang zurück und stehe in die Pedale. Links überholt mich ein Radler im rot-weißen Lycra-Trikot: Arm erhoben, Finger gespreizt. Das leise Surren seines Rads klingt teuer. Dann ein Déjà-vu: Ein identischer Fahrer, gleiches Outfit. Sekunden später saust ein Peloton aus einem Dutzend Profis im Windschatten vorbei. Jedes „Bonjour“ lastet wie ein zusätzlicher Stein in meinen überladenen Packtaschen.

Ich will noch tiefer schalten, doch ich bin bereits am Limit. Diese Etappe aus dem France en Velo-Reiseführer sollte die leichteste des gesamten Kanalküste-Mittelmeer-Cycles sein – 800 km in acht Tagen. Bald werden meine Waden und Knie zerbrechen und sich erholen, und das Massif Central wird im Rückblick harmlos wirken.

Vor mir verschwimmt der Hügel. Ich taste in die Satteltasche nach einem Energiegel, reiße ihn mit den Zähnen auf und sauge den klebrigen Inhalt heraus. Danach kaue ich das Plastik nach Resten ab – kein Spaß der „Typ-1“-Sorte.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dem Bergführer Tim Hamlet auf einer stürmischen Wanderung in Schottland. Er erklärte drei Arten von Spaß: Typ 1 macht sofort Freude – ein Eis essen, über einen Witz lachen oder Sex haben. Typ 2 ist anstrengend, lohnt aber rückblickend, wie windgepeitschte Wangen beim Bierabend. Typ 3 quält nur, ohne Belohnung.

Meine Beine drehen weiter, Nackenmuskeln brennen. Blick gesenkt, weiche ich einem dünnen schwarzen Wurm aus – einem von Hunderten. Ich krieche über den heißen Asphalt, Zeit dehnt sich zur Ewigkeit.

Weiter südlich wird die Tierwelt lebendiger: Geckos huschen in Moustiers-Sainte-Marie, Gänsegeier kreisen über Ziegen in den Gorges du Verdon, Hunde bellen aus Gärten.

Wie lange diese Berganstrengung dauert, weiß ich nicht – 40 Minuten? Oder weniger? Die Zeit verzerrt sich. Später erinnere ich mich an unterdrückte Momente aus dem Londoner Alltag. Auf einer leeren Provence-Straße, umhüllt von Lavendelduft, radle ich stundenlang meditativ – ein Phänomen, das Radtouristen als „Fahrradmeditation“ kennen. Schwierig, das den Daheimgebliebenen zu erklären.

Oben angekommen, rolle ich ab, Zehen taub. Das Gelände wirkt flach, doch Abfahrten müssen kommen. Zwei Wochen später tauche ich in Nizza die Füße ins Mittelmeer. Dazwischen spüre ich jede Kurve, jage die besten Abfahrten Europas hinunter – wie die entlang der Gorge de la Nesque mit ihrem türkisfarbenen Wasser.

12 Meilen pure Fahrt ohne Tritt. Vor mir ein beladenes Rad. „Bonjour!“ – sie ist Britin. Wir plaudern: Eine Großmutter auf gleicher Route, doppelt so viel Zeit. Sie spricht mit ihren Kartenblättern aus dem France en Velo-Führer. Nebeneinander bilden wir unser Peloton: rasselnde Ketten, quietschende Bremsen. Radeln durch ein Land ist einzigartiger Spaß.

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