Als Rough Guides-Autorin Zara Sekhavati blicke ich zurück auf eine unvergessliche Reise nach Kagyu Samye Ling, einem faszinierenden tibetischen Kloster in Schottland.
Spirituell werden in Schottland
Von den kahlen, spindeldürren Bäumen tropfen Regentropfen. Eine kühle Brise weht durch mein Haar. Das Knirschen von Kies auf dem Weg lenkt meinen Blick in die Ferne.
Durch den Nebel des trüben Winterwetters erkenne ich eine Frau mittleren Alters, kahl geschoren und in safranfarbene Roben gehüllt. Die Säume ihres schweren Baumwollgewands streifen über den steinigen Boden und enthüllen bequeme Slip-Ons.
Schnell huscht sie eine Reihe nasser Stufen hinauf. Oben thront ein Tempel in Regenbogenfarben: Tiefe Rottöne kontrastieren mit dunklem Blau, akzentuiert von schimmerndem Gold. Fuchsienrote, immergrüne und senfgelbe Gebetsfahnen flattern im Wind. Die aufwärts strebenden Pagodendächer sollen böse Geister vertreiben.
Meine Freundin Katherine und ich ringen mit inneren Zweifeln und Ängsten. Wir sind in diesem beeindruckenden Kloster eingetroffen, um an einem Yoga- und Meditationskurs teilzunehmen. Nach einer langen, anstrengenden Reise haben wir ein friedliches Tal am Fluss Esk in Schottland erreicht, wo das Kagyu Samye Ling – das erste tibetisch-buddhistische Zentrum im Westen – liegt.
Ich wende mich einer Gruppe Frauen zu, die bunte Yogamatten unter dem Arm tragen: enge Leggings, langärmelige Lycra-Tops und zerzauste Haartürme auf dem Kopf. Zusammen mit ihnen schlendern wir zum Meditationsraum.
Auf meiner Matte auf dem Holzboden lasse ich mich auf dem weichen Schaumstoff nieder. Unser Lehrer Johnny betritt den Raum – in weißen Trainingshosen und lockerem grauem T-Shirt, warmherzig und einladend. Ich bin bereit für meine erste Meditation.
„Schließen Sie die Augen und richten Sie die Aufmerksamkeit auf Ihren Atem“, weist er sanft mit seinem charmanten irischen Akzent an. „Werden Sie sich Ihres natürlichen Atems bewusst. Spüren Sie das Heben und Senken Ihrer Brust. Lassen Sie den Atem wie eine Welle kommen und gehen.“
Während sich mein Bauch hebt und senkt, fühle ich mich schwebend, doch ich kehre in die Gegenwart zurück. „Ich schlafe nicht“, denke ich. Plötzlich ertönt lautes Schnarchen im Raum. „Kein Schlaf – volles Bewusstsein“, mahnt Johnny ruhig. Der Lärm verstummt, und wir alle sind wieder präsent.
Beim Abschluss falten wir die Hände in der heiligen Anjali-Mudra. Katherine neben mir schaut mit leuchtend grünen Augen herüber.
„Ich weiß nicht, aber ich spüre etwas“, flüstert sie.
„Ich auch, kann es nicht greifen“, erwidere ich leise. Dann wird es klar: Ich sehe meine älteste Freundin an und murmle: „Das könnte der Anfang eines Weges zum inneren Frieden sein.“
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