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Erinnerungen an Mittelwales: Helen Fanthorpes walisisches Familien-Cottage

Helen Fanthorpe, Senior Editor bei Rough Guides und Reisexperte mit jahrelanger Erfahrung, teilt persönliche Erinnerungen an Familienurlaube in Mittelwales und die Sehnsucht während des Lockdowns.

Das Wales-Cottage

Als Kinder verbrachten wir fast alle Ferien im 'Wales Cottage', einem malerischen Steinhaus im Herzen von Mittelwales. Von meinen Großeltern gekauft, als meine Mutter noch ein Baby war, ist es weiß gestrichen mit dunkelgrünen Fensterrahmen – ein ehemaliges Pfarrhaus mit späteren Anbauten. Über zwei Stockwerke verteilt, trägt jeder Raum seinen eigenen Namen: 'Das Pfarrzimmer', 'Das Sonnenzimmer' oder 'Das Arbeitszimmer'. Jeder Raum birgt Familiengeschichten. Im Pfarrzimmer lagern unzählige Gummistiefel für die wachsende Großfamilie, und eine antike gusseiserne Kaffeemühle begeisterte uns Kinder. Das verstimmte Klavier begleitet bis heute Gesang, und an der großen Tischtennisplatte toben Familienturniere. Der Wintergarten war der Lieblingsort meiner Großeltern zum Lesen, umgeben von Licht und kleinen Pflanzensprossen, die durch Ritzen wachsen. Für uns Kinder jedoch war 'Der Dachboden' das Highlight: Erreichbar über eine Falltür, mit Dachfenster zum Lauschen auf Regen und einer Strickleiter für Notfälle – pure Abenteuerlust.

Das Cottage liegt in einer Senke zwischen steilen Hügeln, flankiert von einem Bach und einer stillgelegten Eisenbahnlinie. Im Garten thront eine mächtige Blutbuche mit Schaukel, umgeben von Weiden mit Schafen, Adlerfarn, Ginster und Wildblumen. Wanderungen zu den Hügelkuppen bieten Panoramen über Felder, Wälder, Windparks und ferne Berggipfel. Über drei Generationen hinweg haben wir Orten Spitznamen gegeben: 'The Exciting Place' mit Stromschnellen, 'The Pooh-Stick Bridge' für Puuh-Sticks-Spiele und 'Richie's Farm'. Beliebte Routen sind 'Up Old Chapel', 'The Gorge Walk' und 'To the Windmills'. Die Bande zu den lokalen Bauern reichen Jahrzehnte zurück – ich spielte mit ihren Kindern, half beim Ablammen und fütterte ein verwaistes Kalb aus der Flasche.

Bis zu meinem 12. Lebensjahr war das Haus komplett netzunabhängig – ohne Strom. Sechs Wochen Sommerferien lebten wir im Tageslicht, ergänzt durch Gaslampen in der Küche und Kerzen oben. Wir bastelten Schattenpuppen, erzählten Gruselgeschichten und experimentierten mit Wachs. Heizung kam von einem Strahlenofen mit Kohlenträgern und einem offenen Kamin, wo Stiefel trockneten und wir Karten spielten: UNO, Scrabble oder L’Attaque.

Selbst heute, mit Strom, fehlen Empfang und Wi-Fi. Kein Laptop, kein Fernseher – Social Media? Vergessen. Für Anrufe muss man den Hügel erklimmen. Früher spazierten wir zur roten Telefonzelle an der alten Bahnlinie.

Sehnsucht nach der walisischen Landschaft

Während des Lockdowns in meiner Londoner Wohnung vermisste ich Wales schmerzlich – Jahre waren vergangen. Meine städtische Routine brach zusammen, doch in Mittelwales änderte sich wenig: Späte Elektrifizierung, 70er-Jahre-Kinderbücher wie Jim Slaters 'A. Mazing Monsters', Pilze vom Hügel und tageweise Netzlosigkeit nähren die Seele.

Bei meiner Rückkehr diesen Monat werde ich verlangsamen, die einfachen Freuden und die Landschaft genießen. Wanderschuhe an, Sterne beobachten – und dankbar sein.