Während Besucher langsam nach Ägypten zurückkehren, zeichnet der erfahrene Reisereporter Keith Drew nach Jahren politischer Instabilität und Unruhen die faszinierende Geschichte Kairos, der größten Stadt der arabischen Welt.
Midan Tahrir wirkte seltsam friedlich. Eine Handvoll Touristen schlenderte umher und wartete darauf, dass das Ägyptische Museum seine Türen öffnete. Taxis, Lastwagen und Eselskarren drängelten sich am Rand und krochen zentimeterweise auf die Corniche-Straße zu, die sie entlang des Nils nach Süden führen würde. Der Platz selbst lag leer da.
Es sind fast vier Jahre vergangen, seit Tausende von Kairoern sich im Herzen der Stadt versammelten und Hosni Mubaraks 30-jährige Herrschaft im Zuge des Arabischen Frühlings zusammenbrach. Dieses Bild prägt immer noch die Vorstellung vieler von Ägypten. Tahrir steht für das Kairo von 2011. Jenseits des Platzes erstreckt sich eine Geschichte von Tausenden Jahren – eine verwirrend schöne Stadt voller Pharaonen, Kopten und Kalifen.
Um 2650 v. Chr.: Die Pyramiden
Nicht die ikonischen Gizeh-Pyramiden, die unzählige Postkarten zieren – noch nicht. Die heutige Stadt Kairo lag Jahrhunderte entfernt, doch Pharaonen gründeten ihre Hauptstadt Memphis, 24 km südlich am Nil, und bestatteten Könige in Sakkara. Auf dem Plateau von Nord-Saqqara erhebt sich die erste Pyramide: die Stufenpyramide für Pharao Zoser, vor über 4.650 Jahren erbaut. Grob behauene, gebleichte Blöcke mit zerbrechlichen Holzgerüsten steigen in den Himmel – ein beeindruckender Anblick.
Die Techniken aus Sakkara wurden in Gizeh perfektioniert. Egal wie oft fotografiert, die Pyramiden übertreffen Erwartungen. Ihr Ausmaß überwältigt: 100.000 Arbeiter brauchten fast 30 Jahre für die Große Pyramide des Cheops (um 2566 v. Chr.), mit 2,3 Millionen Blöcken bis zu 15 Tonnen schwer, einst in weißem Kalkstein glänzend.
Von 2650 v. Chr. bis 250 n. Chr.: Das Ägyptische Museum
In den Pyramidentunneln ist wenig zu sehen. Für Schätze ins Museum in Kairos Innenstadt: Über 130.000 Exponate in einem staubigen, charmant chaotischen Gebäude – das weltbeste seiner Art. Konzentrieren Sie sich auf Highlights.
Aus dem Alten Reich: Zosers Statue und Königin Hetepheres’ Schmuck (Mutter des Cheops). Neuere Höhepunkte: Tutanchamuns goldene Schätze und mumifizierte Pharaonen aus dem Tal der Könige, manche mit verfilztem Haar.
500 bis 600 n. Chr.: Die koptischen Kirchen
Als Pharaonenherrschaft schwand, gründeten Perser Babylon (Alt-Kairo). Hier wurzelte das Christentum; Kopten bauten prächtige Kirchen. Enge Gassen bergen Schätze wie St. Sergius und Bacchus (älteste Ägyptens, Versteck der Heiligen Familie) und die Hängende Kirche (um 600 n. Chr.), die scheinbar schwebt. Im Inneren: Fresken, Ikonen, die „koptische Mona Lisa“.
1171 bis 1848: Die Zitadelle
Muslime gründeten 641 nördlich von Babylon eine Siedlung. Saladin vereinte 1171 Kairo und baute die Zitadelle – Symbol der Macht über islamisches Kairo mit Moscheen, Basaren. Blick auf Minarette im Smog. Mohammed Ali ergänzte 1848 seine Moschee mit prächtiger Kuppel.
1919 bis heute: Tahrir-Platz
Von der Zitadelle durch Pariser Boulevards (1860er) zu Midan Tahrir („Befreiungsplatz“ seit 1919/1952). 2011 fiel Mubarak hier. Spuren: Panzer, verbranntes NDP-Gebäude. Unter el-Sisi kehrt Hoffnung zurück. Kairo pulsiert: Patisserien, Gebetsrufe bis zu den Pyramiden.
EgyptAir fliegt zweimal täglich direkt von London Heathrow nach Kairo. Talisman Travel bietet empfohlene Kairo-Touren.