Die drittgrößte Stadt Marokkos wird oft übersehen und gilt noch nicht als kulinarischer Hotspot. Die Anreise ist bei begrenzten Flug- und Bahnverbindungen mühsam. In der größten Medina Afrikas – einem riesigen, ummauerten Labyrinth mit rund 10.000 Gassen – wird die Orientierung zur Herausforderung.
Im Gegensatz zum touristisch geprägten Marrakesch mit seinen belebten Plätzen voller Schlangenbeschwörer, Wahrsager und Akrobaten bietet Fès echte Authentizität. In Marrakesch umringen Restaurants den Djemaa el-Fna und servieren oft Tajine oder Pizza. In Fès hingegen ist das Finden eines guten Essensspots ein Abenteuer – viele Lokale schicken jemanden, um Sie abzuholen.
Streetfood in der Medina schwankt zwischen kurios und köstlich: Mit Sicherheitsnadeln gespickte Schnecken neben Fleischfässern in gelblichem Schmalz, verlockende Oliven und klebrige Datteln. Mit etwas Lokalkenntnis oder Glück entdecken Sie kerzenbeleuchtete Riad-Höfe, versteckte Cafés und kreative Restaurants, die Tradition und Moderne fusionieren.
Die essbare Seite der Medina
Die Medina ist das zeitlose Herz von Fès, ein Labyrinth, in dem selbst Einheimische sich verirren. Ein Fassi scherzt: „Ja, jeden Tag – das macht den Reiz aus.“ Abgenutzte Steinpfade münden in belebte Märkte oder enge Sackgassen, wo Maultiere das einzige Transportmittel sind, Kamelköpfe vor Metzgern hängen und Familien Brot zum Gemeinschaftsofen bringen. Essen ist allgegenwärtig – oft in ungewöhnlicher Form.
Um die kulinarische Seele der Medina zu erleben, empfehle ich den Kochkurs im Palais Amani. Chefkoch Hussim führt Sie auf einen Einkauf durch die Gassen: Vor Ständen mit Karottenmauern, Minzebergen, violetten Radieschen und Orangenkisten. Gewürze strömen aus Säcken und parfümieren die Luft. Frauen backen hauchdünne Pfannkuchen, Harissa-Suppe dampft, Mandelgebäck glänzt sirupartig.
Im kunstvoll gekachelten Restaurant des Palais Amani mit Laternen und Dachterrasse genießen Sie moderne marokkanische Klassiker: Zarte Lamm-Tajine auf Artischockenherzen oder ein Mosaik aus Tapas mit Blick auf die Medina. Als erfahrene Reisende weiß ich: Diese Gerichte verkörpern Fès' Essenz.
Modernes Kochen mit kulturellen Einflüssen
Heutige Top-Restaurants in Fès verbinden marokkanische Tradition mit globalen Trends. Café Clock, ein kreatives Zentrum mit Yoga, Kalligraphie und Filmen, ist legendär für Kamelburger mit Zimtsalsa – lokale Zutaten in westlichem Gewand.
Resto Número 7 als Pop-up-Konzept lädt Köche weltweit für dreimonatige Residencies ein. Im schicken Schwarz-Weiß-Interieur entstehen Kreationen wie gebratener Schwertfisch in Buttermilch-Harissa, adobo glasierter Truthahn mit Knoblauch-Couscous oder dekonstruierte Panna Cotta mit Banane und Zimt-Crumble – inspiriert von kanadischen und philippinischen Wurzeln plus lokalen Märkten.
Zukünftige Entwicklungen
Fès verändert sich: Die Umgestaltung eines Medina-Teils entlang des Flusses soll 2017 abgeschlossen sein und die Stadt zum „Venedig Afrikas“ machen – mit Boulevards durchs Herz der Medina und neuen Essensorten.
Mehr Touristen könnten folgen und Fès mit Marrakesch konkurrieren lassen. Moderne und Tradition balancieren perfekt: Eine Zeitreise mit urbanem Puls. Feinschmecker-Traum: Essen, satt werden und sich verirren.
Autorin Olivia absolvierte einen viertägigen Kochkurs im Palais Amani, einem luxuriösen Riad in der Fès-Medina. Erkunden Sie mehr von Marokko mit unserem Großen Leitfaden für Marokko. Vergleichen Sie Flüge, buchen Sie Hostels und Hotels und schließen Sie Reiseversicherung ab.
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