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Die unheimliche Strafkolonie von Ushuaia: Ein Besuch im Museo Marítimo y Presidio

Ushuaia, beliebt bei Touristen als Tor zum „Ende der Welt“ an der Südspitze Argentiniens, war einst Heimat von Massenmördern, Anarchisten und Piraten. 1896 errichtete die argentinische Regierung hier eine Strafkolonie.

Ushuaia lockt Tausende Touristen nach Feuerland, um das Leben am „Ende der Welt“ zu erleben – so werben die argentinischen Behörden. Wenige wissen jedoch, dass unter den Pionieren Argentiniens gefährlichste Kriminelle waren, die ins „Sibirien Argentiniens“ verbannt wurden.

Um die Souveränität über Feuerland zu sichern und Siedlungen zu fördern, gründete die Regierung 1896 eine Strafkolonie. Gefangene errichteten die ersten Gebäude, inklusive der Eisenbahn zum 12 km westlich gelegenen Parque Nacional Tierra del Fuego.

Mit Blick auf den eisigen Beagle-Kanal und umgeben von schneebedeckten Bergen war das Gefängnis weltweit am malerischsten gelegen. Doch die atemberaubende Kulisse bot den Insassen unter ihren grausamen Bedingungen keinen Trost. Ein Rundgang durch das 1947 geschlossene und heute als Museo Marítimo y Presidio betriebene Museum macht dies eindringlich klar.

Im Panoptikum-Design strahlen die Flügel wie Speichen eines halben Rades aus, damit Wärter die Häftlinge unauffällig beobachten konnten. Heute sind sie öffentlich zugänglich: Zwei beherbergen Kunst und maritime Exponate, Flügel vier erzählt Geschichten berüchtigter Insassen und vermittelt die erlittenen Schrecken.

Die Zellen waren spartanisch: Ein kleines Fenster, Holzpritsche als Bett, Stuhl und Tresen. Erlaubte Besitztümer für mustergültige Häftlinge: Bücher, Schreibutensilien, Zucker und Mate (Argentiniens Nationalgetränk). Gefährliche Sträflinge trugen Fußeisen und Kugelketten.

Kleine Korridorheizungen wärmten ganze Flügel. Selbst im Sommer spürt man die Kälte – im Winter, bei Temperaturen weit unter null, war es unvorstellbar.

Arbeitsfähige Häftlinge fällten Bäume, brachen Stein oder verlegten Schienen, wie eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fotos zeigen. Regelverstöße führten in den trostlosen „Kerker“.

Berühmt ist Simón Radowitzky, Anarchist, der 1909 für den Mord an Polizeichef Colonel Falcón (verantwortlich für acht Todesfälle bei einer Mai-Demo) verurteilt wurde. Er saß über 20 Jahre, floh kurz 1918 und wurde 1930 exiliert. (Seine Geschichte in Bruce Chatwins In Patagonia.)

Besuchen Sie Zellen von Mateo Banks (1922 verurteilt für acht Morde, inklusive Geschwister) und Cayetano Santos Godino („El Petiso Orejudo“, geisteskranker Kindermörder).

Am eindrucksvollsten: Flügel 1, weitgehend original. Keine Exponate, nur leere Zellen und abblätternde Farbe. Das Echo der Schritte und gelegentliches Katzenjaulen erzeugen eine unheimliche Atmosphäre – ein Ort, der Freiheit schätzen lehrt.

Shafik Meghji, Co-Autor von The Rough Guide to Argentina und The Rough Guide to South America on a Budget, teilt aus erster Hand seine Erfahrungen. Blog: www.unmappedroutes.com, Twitter: @ShafikMeghji.

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