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Mit dem Fahrrad von London nach Paris: Die Avenue Verte im Praxistest

Die 2012 eröffnete Avenue Verte ist ein verkehrsarmer Radweg, der London mit Paris verbindet und das Beste aus dem Süden Englands – inklusive des umfassenden National Cycle Networks – sowie dem ländlichen Norden Frankreichs bietet. Als erfahrener Radfahrer habe ich die Route selbst getestet.

„Beim Fahrradfahren lernt man die Konturen eines Landes am besten kennen, da man die Hügel hochschwitzen und sie hinunterrollen muss.“ Diese Worte von Ernest Hemingway sind auch heute noch gültig. Schneller als eine Reifenpanne zu reparieren ist ein Billigflug, und der Kanaltunnel ist in der Zeit zu durchqueren, die man vom Big Ben zum London Zoo braucht. Doch nichts schlägt das Radeln auf zwei Rädern. Die Avenue Verte ebnet den Weg für Anfänger und Profis. Meine Partnerin und ich sind losgezogen, mit überquellenden Packtaschen voller Feigenbrötchen und Regenkleidung.

Die Route startet offiziell am London Eye, doch der blaue Hahn auf dem vierten Sockel des Trafalgar Square war für unsere viertägige Tour idealer. Wir umrundeten Touristen am Buckingham Palace, wichen Hundeführern auf Clapham Common aus und genossen den ersten verte-Eindruck auf dem Wandle Trail: einen 10 Meilen langen Pfad entlang alter Wassermühlen nach Carshalton.

Der Ausstieg aus London führte über die North Downs, ein uraltes Kreidegrasland, das fast mit dem Peak District konkurriert – nur die ferne Metropole erinnert an die Nähe zu London. Eine steile Abfahrt über die M25 brachte uns durch Redhill, Horley und Crawley – „Suburbia Gris“ wäre passender. Der Sustrans-Führer nennt sogar Gatwick-Flughafen eine Sehenswürdigkeit.

Danach folgte der schönste Abschnitt: 20 Meilen östlich statt südlich zur Küste, ein willkommener Umweg. Entlang des Forest Way durch bewaldete Dörfer und den Cuckoo Trail endet er in Newhaven, dem Herz der Reise.

Vor Dieppe reihten sich die Räder auf der lauten Laderampe aneinander. Auf der 4-stündigen Fähre trafen wir Radler: Lycra-Rentner mit bulligen Waden bis Studenten mit Stella und Lunchpaketen. In Dieppe rollten wir als Peloton rechts der Küste entlang.

Südlich des Hafens startet in Arques-la-Bataille die stillgelegte Strecke nach Paris: 28 flache Meilen durch die normannische Landschaft. Gegenwind verlangsamte uns, ließ aber Kirchtürme, Schornsteine, Hühner und Schäferhunde genießen.

In Forges-les-Eaux endete der autofreie Weg; es folgte Hügeliges durch die heckige Bray-Region. In Monneville ruhten wir in einem charmanten Gästehaus eines pensionierten Puppenspielers und Zimmermanns mit Opernstimme.

Für Versailles verließen wir die Route und folgten Donald Hirchs Online-Führer bis vor das Schloss. Wir radelten durch Gärten, zwischen Spaziergängern und Statuen – bis ein Radfahverbot uns stoppte.

Nach dem letzten Hügel bei Versailles glitten wir durch den Parc de St. Cloud zur Avenue André Chevrillon. Der Eiffelturm ragte endlich auf – beeindruckender denn je.

Die Avenue Verte ist nicht die anspruchsvollste, nicht die spektakulärste oder beste ausgeschildert. Doch sie führt durch vergessene Dörfer, französische Gespräche und versteckte Kneipen. Über 200 Meilen Grün zwischen Weltstädten – einzigartig, was Flug oder Zug nie bieten.

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