Das erste Prohibitionsmuseum der USA eröffnete Anfang dieses Jahres in Savannah, Georgia – einem idealen Ort dafür. Bis vor Kurzem verboten lokale Gesetze noch, dass Brauereien Bier direkt an Kunden verkaufen. Jacqui Agate porträtiert die neue Welle von Craft-Brauerinnen und Brauern, die die Getränkeszene der Stadt revolutionieren.
Spanisches Moos hängt von den Eichenbögen über der East Jones Street. Geflecktes Sonnenlicht tanzt auf dem Kopfsteinpflaster, die Luft ist schwer von der Nachmittagshitze. Im Historic District präsentiert sich Savannah von seiner elegantesten Seite.
Die Geschichte von Savannah
Savannahs mit Eichen gesäumte Straßen pulsierten schon seit fast 300 Jahren vor Leben. Englische Kolonisatoren unter General James Oglethorpe siedelten 1733 hier an und begründeten Georgia. Ihre Vorliebe für Rum aus Melasse führte zu exzessiven Feiern – bis Oglethorpe 1738 den Verkauf von 'starkem Wasser' verbot. Das war Amerikas erster Akt der Alkoholprohibition.
Angemessen, dass Savannah, die 'Hostess City', das erste US-Prohibitionsmuseum beherbergt (buchen Sie hier Ihre Eintrittskarte). Seit 2017 dokumentiert es die Mäßigungsbewegung von ihren Anfängen bis zur nationalen Prohibition (1920–1933) und beleuchtet Schmuggler und Schwarzbrenner, die sich widersetzten.
Savannahs schwüle Straßen sind selbst ein lebendiges Prohibition-Museum. Eine halbe Meile von der East Jones Street entfernt liegt das The Distillery Ale House – heute ein stilvolles Craft-Beer-Lokal, einst eine Apotheke mit versteckter Speakeasy. Im Obergeschoss wurde in der Badewanne Gin gebrannt.
In der Crystal Beer Parlor, einst Lebensmittelgeschäft der Familie Gerken und später Restaurant The Crystal, floss als Erstes Alkohol nach Prohibition-Ende – vermutlich nahtlos weiter.
'In Savannah sind wir ein bisschen verschmitzt', lächelt Kayla Black, Direktorin des American Prohibition Museum. Wir sitzen vorm Collins Quarter, einem hippen Café-Restaurant mit Brunch tagsüber und kreativen Cocktails abends.
Georgias Konservatismus und Bibelgürtel-Nähe machten den Staat 1908 trocken – 12 Jahre vor dem Bund. Savannah pflegte da schon über ein Jahrzehnt illegale Alkoholquellen.
'Zuerst gab es 'Locker Clubs' – keine privaten Clubs, aber mit Beitritt bezahlte man quasi für Alkohol', erklärt Black. 'Der Savannah Yacht Club war einer davon.'
'Große Namen wie Al Capone hatten hier Geschäfte während der Prohibition', fährt sie fort.
Mechaniker Sherman Helmey reparierte einst ein kugeldurchsiebtes Auto und lieferte es ins De Soto Hotel. Dort zahlte Al Capone persönlich. Danach flickte Helmey Capones Rum-Transportwagen und ersetzte polizeibeschädigte Teile.
Savannahs Schmuggel-Erfolg profitierte auch von der Geografie: Unzählige Buchten und Inseln waren den Behörden fremd. Kleine Boote verschwanden spurlos mit Ladungen. In Skidaway Island State Park (14 Meilen südlich) siehst du noch Ruinen einer Schmuggel-Brennerei.
Trotz reicher Anekdoten war die 2017 eröffnete Ghost Coast Distillery Savannas erste seit Prohibition. Ein Reliktgesetz verbot bis kürzlich Direktverkäufe.
Chris Sywassink, Mitinhaber von Ghost Coast, ruft über das Cocktail-Geklapper: 'Ohne Direktverkauf ist Wachstum unmöglich.' Ein neues Gesetz 2022 änderte das. Sie bieten nun 19 Spirituosen: Rum, Bourbon, Whisky, Vodka und Agavengeist. Ihr Vodka 261 markiert 261 Jahre seit Oglethorpes Verbot. 'Alle sind meine Kinder', lacht Sywassink.
Savannahs Szene boomt: Bald öffnet Savannah Spirits mit Bar und Chophouse. 'Kreativität sprengt Grenzen – wir sind die Hostess City mit Grund', sagt Sywassink.
Die besten Orte zum Trinken in Savannah
Top-Tipps für Drinks in der Hostess City:
Für Craft-Cocktails
Cocktails sind Savannas Markenzeichen. Artillery in der alten Waffenkammer der Georgia Hussars glänzt mit Samt, Backstein und Kronleuchtern. Probiert den Chatham Artillery Punch: Rum, Brandy, Rye, Sloe Gin, grüner Tee, Zitrone und Sekt in goldener Ananas. Nicht verpassen: AlleyCat Lounge im Keller.
Zum Trinken bis früh
The Original Pinkie Masters, seit den 1950ern Institution mit 80er-Rock, lockte sogar Jimmy Carter. Bier, Jukebox, farbige Gäste – perfekt für lange Nächte.
Für ein tolles Pint
Distillery Ale House ('No crap, just craft') hat 21 Biere vom Fass plus Flaschenvielfalt. Service Brewing Co., veteran-geführt, reicht von Pale Ale bis Pilsner.
Für Speakeasy-Flair
Congress Street Up im Prohibition Museum serviert Klassiker wie Prohibition Portia (Gin in Mini-Badewanne mit Entlein).
Für Live-Musik
Jazz'd Tapas Bar bringt sechs Nächte Jazz bis Country, Tapas und Martinis. Oder eine Kneipentour durch Geisterviertel.
Jacqui Agate logierte im The Grant von Lucky Savannah.