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Die Route der Parks in Chile: Ein authentisches Abenteuer durch Patagonien

Chile lockt abenteuerlustige Reisende seit Langem, doch seit 2018 hat sich das Angebot dramatisch erweitert. Die neu geschaffene Route der Parks verbindet eine Kette patagonischer Nationalparks und führt durch die entlegensten Regionen des Landes – von schneebedeckten Vulkanen bis zu türkisblauen Hängenden Gletschern. Als erfahrene Reisejournalistin Steph Dyson berichtet sie direkt von unterwegs.

Daumen raus an der Straße, rittlings auf meinem staubigen Rucksack sitzend, channelte ich meinen inneren Bruce Chatwin. Der britische Reiseschriftsteller trampte in den 1980er Jahren durch Patagonien – Grundlage für sein legendäres Buch In Patagonia. Hätte es damals die Carretera Austral gegeben, er hätte sie sicherlich geliebt.

Die 770 Meilen (ca. 1.240 km) lange Carretera Austral, wie sie international bekannt ist, wurde erst 1988 unter der Pinochet-Diktatur vollendet. 10.000 Soldaten bahnten damals eine Piste durch das unberührte Südchile.

Heute rangiert sie unter den ikonischsten Roadtrips weltweit, vergleichbar mit der Panamericana – nur wilder und mit einem Hauch von Grenzüberschreitung.

Im März 2017 spendete Kris Tompkins im Namen von Tompkins Conservation und ihrem verstorbenen Mann Doug eine Million Acres Privatland an Chile. Die Regierung ergänzte neun Millionen Acres Bundesland, sodass Patagonien nun 85 % des gesamten geschützten Landes Chiles beherbergt.

Dieser Meilenstein schuf die Basis für die Route der Parks: Eine 1.700 Meilen (ca. 2.735 km) lange Kette von 17 Nationalparks, vom Alerce-Andino-Nationalpark im Norden der Carretera Austral bis zum Kap-Horn-Nationalpark im äußersten Süden. Viele private Reservate werden zu Nationalparks umgewandelt, was den Fokus auf Schutz unberührter Patagonien-Landschaften unterstreicht – mit nachhaltigem Tourismus im Einklang.

Hernán Mladinic, Geschäftsführer von Tompkins Conservation in Chile, erklärt: „Tourismus ist eine Folge guten Naturschutzes. Nur solider Schutz ermöglicht nachhaltigen Tourismus.“ Er betont: „Ohne ein starkes Nationalpark-System gäbe es keine Route der Parks.“

Der Torres-del-Paine-Nationalpark, Patagoniens Star, kämpft mit Überlastung: 2017 zogen über 260.000 Besucher an, viele klagten über fehlende Plätze trotz Monatsbuchungen. Die wilde Einsamkeit ist vorbei.

Die Route der Parks enthüllt jedoch neue Juwelen. Von Coyhaique aus hole mich ein Paar aus Santiago ab – im Tausch gegen meine GPS-Navigation. Nach 1,5 Stunden durch dichte Wälder mit Ñirre, Lenga und Calafate-Strauch erreichen wir Cerro Castillo, den jüngsten Park. Eine 3-stündige Wanderung führt zu einem lapislazuliblauen See, der zerklüftete, schneebedeckte Türme spiegelt – ähnlich Torres del Paine, aber ohne Touristenmassen.

Weitere 150 Meilen südlich liegt der Patagonia Park, ein Tompkins-Meisterwerk mit sechs Wanderwegen, Campingplätzen und luxuriösen Lodges – der touristenfreundlichste Spot der Region.

Für ultimative Abgeschiedenheit fühlt sich Patagonien nirgends wilder als im Süden: Tierra del Fuego, durch die Magellanstraße vom Festland getrennt, beherbergt zerklüftete Berge, rostrote Moore und Gletscherseen – inklusive Yendegaia-Nationalpark.

Nach 7 Stunden auf der einzigen Straße chilenischen Tierra del Fuegos (die Insel teilt sich Anden-mäßig mit Argentinien) erreiche ich die Estancia Lago Fagnano. German und Marisela servieren Tee und frisches Brot. „Alles für die erste Hütte kam per Pferd aus Punta Arenas“, erzählt Marisela von vor 20 Jahren. „Die Straße kam später.“

Weiter zu Caleta Maria am Admiralty Sound, nahe dem Straßenende (die Armee sprengt weiter Richtung Isla Navarino). So komme ich Kap Hoorn am nächsten – dem bootserreichbaren Nationalpark.

Hier wird Mladinics Vision greifbar: „Eine herausfordernde Einladung zu mythischem Abenteuer – und zur Wiederentdeckung der eigenen Einsamkeit.“

Auf der 1.700-Meilen-Route fühlt man sich nirgends endwelt-naher. Die Route gibt geschützten Arealen Identität, mindert aber nicht die Herausforderung – oder den Thrill der Reise.

Kopfzeilenbild: Coyhaique und Carretera Austral © sunsinger/Shutterstock