San Francisco war das Herzstück des Summer of Love, einer Bewegung, die die Grundfesten der amerikanischen Gesellschaft nachhaltig erschüttern wollte. Fünfzig Jahre danach reist Tamara Hinson durch die Stadt, um zu erkunden, welche Spuren dieser ikonischen, freigeistigen Epoche noch erlebbar sind.
In Haight-Ashbury dröhnt Bob Marley aus Amoeba Music, einem renommierten Independent-Plattenladen. In der Nähe steigen aromatische Rauchschwaden aus einer Wohnung über einem Street-Art-verzierten Headshop auf.
Moderne Hipster lösen allmählich die alten Bewohner ab, die noch enge Bande zum Summer of Love von 1967 pflegten. Doch bei genauerem Hinsehen entdecken Sie Relikte: in den batikfarbenen Schaufenstern von Love on Haight, einem Glitzer-Laden der Einheimischen Sunny Powers mit dem Motto „Never be afraid to sparkle“. Oder in Jammin on Haight, wo psychedelische Grateful-Dead-T-Shirts und Poster explodieren.
Dennis McNally, ehemaliger Publizist der Grateful Dead, kuratierte die Ausstellung „On the Road to the Summer of Love“. Sie weckt Erinnerungen an jenen marihuanaaromatisierten Sommer – nun 50 Jahre her.
Ein Highlight in der California Historical Society: ein echtes LSD-Blatt unter Glas. Sein Besitzer entkam der Strafverfolgung, indem er behauptete, es diene rein der Ausstellung, nicht dem Konsum.
Diese Schau ist Teil zahlreicher Events zum 50. Jubiläum des Summer of Love 1967, als über 100.000 Aktivisten, Künstler und Freigeister in die Stadt pilgerten. Sie träumten von einer Weltveränderung durch Musik, Kunst und Frieden – gegen den Vietnamkrieg, für Bio-Lebensweise und Heilung der Erde. Und ja, mit ein paar Trips.
McNallys Lieblingsfoto: Ein lachender Polizist fädelt Blumen an einer Schnur auf, aufgenommen beim Monterey Pop Festival 1967. „Alle tragen Blumen, sind high und haben Spaß“, erklärt er. „Der Sicherheitschef meinte, er hätte Kleinkinder beaufsichtigen können – null Probleme. Der Cop weiß: Heute wird nicht gearbeitet.“
Die California Historical Society liegt nahe Haight-Ashbury, dem Kern der Bewegung. Historiker William Schnabel war 1967 17 und hing mit den Diggers ab – jenen Rebellen für Gemeinschaftsleben und Gratis-Ökonomie.
In seinem Buch „Summer of Love and Haight: 50th Anniversary of the Summer of Love“ schildert Schnabel den Sommer. „Eine Kulturrevolution, künstlerisch und politisch. Wie ein Karneval mit Digger-Paraden – viele aus dem Theater, die die Straße zur Bühne machten.“
Im Pork Store Café an der Haight Street, 40 Jahre ein Lokalheld, gibt Amanda, eine Haight-Bewohnerin, beim Rösti Insights: „Noch immer starkes Gemeinschaftsgefühl mit Langzeitbewohnern.“ Doch Tech-Millionäre aus dem Silicon Valley kaufen die pastellfarbenen Victorianer auf. „Veränderung ist unausweichlich, aber die Architektur muss erhalten bleiben“, betont sie.
Der Summer of Love beschränkte sich nicht auf Haight-Ashbury. Per Rad durch North Beach: Italienisches Flair an der Bucht, neben Chinatown. Flaggen auf Laternen, Oper aus dem Feinkostladen.
Vor 1967 blühte hier die Beat-Szene mit Kerouac, Ginsberg und Snyder. Sie prägten Werte wie Gemeinschaft, Dezentralisierung und Ökologie – Treibstoff für den Summer of Love.
Im Zentrum: City Lights, gegründet 1953 von Lawrence Ferlinghetti. Als National Historic Landmark und Hort verbotener Bücher war es Protestzentrum. „Herz von North Beach, unverändert lebendig“, sagt McNally.
Zum Abschluss: Das Presidio, idyllischer Park mit Golden-Gate-Blick. Gepflegte Wiesen, Wege – fernab des Haight-Chaos. Doch 1967-Echos hallen nach: Grateful-Deads Jerry Garcia diente hier neun Monate.
Lisa Petrie vom Presidio Trust: „Wir repräsentierten, wogegen Hippies rebellierten – Vietnam-Lieferant. Nur drei Meilen entfernt die Gegenkultur.“ Heute Yoga auf dem Rasen. Frieden, Liebe und Einheit haben vielleicht gesiegt.