Obwohl viele von uns derzeit zu Hause feststecken, kämpfen auch die Bewohner abgelegener Inseln mit den Folgen des Coronavirus. Als erfahrene Reisereporter werfen wir einen tiefen Blick auf die Auswirkungen in der Karibik und skizzieren, wie Reisen dorthin bis Ende 2020 und ins Jahr 2021 aussehen könnten. Beeindruckende virtuelle Kampagnen aus der Region sorgen für tropische Stimmung in der Quarantäne – und wecken den unbändigen Wunsch, die Inseln zu besuchen. Wir sprachen mit Sharon Bernstein, britischer Direktorin der Grenada Tourism Authority, um die Herausforderungen und Chancen genauer zu beleuchten.
Grenada: Ein Überblick
Grenada, die "Spice Island", fasziniert mit entspannten Sandbuchten, türkisfarbenem Meer und einem bergigen, üppigen Inland. Wandern, Tauchen, Schnorcheln, Schokolade, Muskatnuss und Rum prägen das Erlebnis. Kommerzielle Flüge nach Grenada sowie den Schwesterinseln Carriacou und Petite Martinique sind vorerst ausgesetzt, doch die Kampagne #GrenadaDreaming macht Armstuhltreisende süchtig: Positive Nachrichten, Spotify-Playlists und virtuelle Events vermitteln das pure Insel-Leben.
Wir fragten Sharon Bernstein nach Details zur Kampagne und ihren Prognosen für die Zukunft des Grenada-Tourismus.
F: Erzählen Sie mehr über die Social-Media-Kampagne #GrenadaDreaming. Welche Elemente umfasst sie, und was ist das übergeordnete Ziel?
A: #GrenadaDreaming lädt Menschen weltweit ein, glückliche Erinnerungen an Grenada in den sozialen Medien zu teilen. Gezeigt werden Kultur, Küche und Charakter der Inseln – jenseits bloßer Fotos. Wir bieten Cocktail-Zubereitungen, Rum-Verkostungen, Kochkurse und ein virtuelles Schokoladenfestival als Ersatz für das verschobene siebte Grenada Chocolate Fest. Es geht um Empathie, Begeisterung und Energie.
F: Wie nutzen Sie Spotify-Playlists, um karibisches Flair zu erzeugen?
A: Lisa Braithwaite, ein Teammitglied mit Wurzeln in Carriacou, erkannte die Magie der Musik. Ihre Idee hat sich viral verbreitet. Die erste Playlist 'Limin' – grenadisch für entspanntes Abhängen – bringt Soca-Vibes aus Rumshops und Bars. Sie enthält Acts wie Sabrina Francis ('This is Home' für Grenada Tourism) und Shortpree (Soca, Reggae, Dancehall). Weitere Playlists folgen bald.
F: Sie teilen positive Nachrichten: Rumdestillerien produzieren Desinfektionsmittel, Hotels beherbergen Schlüsselkräfte, und es gab 'Salute By Sound'. Mehr dazu?
A: Grenada hat drei Rumdestillerien plus eine neue Gin- und Vodka-Brennerei. Drei stellten auf Desinfektionsmittel um. Grenada Distilleries (Clarke's Court Rum) spendete an Senioren, Kinderheime, Busfahrer und Polizei. Westerhall Estate (seit 1766) lieferte 14.000 Einheiten an Kliniken, Polizei und Pflegeheime. Blue Light Gin nutzte lokale Aloe Vera für Spenden an Altersheime. Einige planen Dauerkonzeption.
'Salute to Sound' am 24. April 2020 war eine füniminütige Hommage an Frontline-Arbeiter, organisiert von Tourismusbehörde und Ministerium. Bürger klatschten, hupten, lärmten mit Töpfen und Instrumenten – ein emotionaler Akt nationaler Solidarität.
F: Welche neuen Regeln erwarten Sie für die Wiedereröffnung? Wie wirkt sich Social Distancing auf Touristen aus?
A: Die Hygienestandards sind hier ohnehin hoch. In Grenada und der Karibik entstehen zusätzliche Protokolle. Das Tourismusministerium kooperiert mit Flughäfen, Häfen und Unternehmen, damit Gäste sicher und zuversichtlich eintreffen können.
F: Prognosen für den Tourismus 2020/2021?
A: Premierminister Dr. Keith Mitchell priorisiert die Gesundheit der 110.000 Einwohner. Der Sektor erhält staatliche Hilfe. Wir erwarten Rückkehrer, die herzlich von Pure Grenada begrüßt werden.
F: Weniger Fernreisende? Mehr regionale Gäste?
A: Grenada boomte als nachhaltiges Erlebnisziel mit Rekordzahlen und Neueröffnungen: Royalton Grenada Resort (Frühjahr 2020), Kimpton Kawana Bay (bald), Six Senses (2022). Zuerst kommen Karibik- und US-Ostküstengäste, doch britische und europäische Follower, inklusive Diaspora, kehren zurück.
F: Welche Lehren ziehen Sie für Reisende?
A: Tourismus verbindet Menschen und Kulturen. Er schafft nachhaltige, gemeinschaftsverankerte Wertschöpfung – ökologisch und wirtschaftlich.
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