Die COVID-19-Pandemie hat die Tourismusbranche weltweit hart getroffen – besonders kleine, unabhängige Anbieter wie Safariveranstalter. Reisen sind komplett eingebrochen, mit unbezahlten Löhnen und einem alarmierenden Anstieg der Wilderei durch Ressourcenknappheit. Als erfahrener Afrika-Spezialist mit jahrelanger Partnerschaft sprechen wir mit Inge, unserer lokalen Expertin bei Shadows of Africa in Tansania. Ihr Team plant maßgeschneiderte Safaris von Äthiopien über Ruanda bis Südafrika – bereit, sichere Reisen wieder aufzunehmen.
Im Gespräch mit Inge
F: Welche Beschränkungen gelten derzeit in Tansania und den anderen ostafrikanischen Ländern, in denen Sie tätig sind?
A: Alle ostafrikanischen Länder haben ihre Grenzen geschlossen, daher empfangen wir im Moment überhaupt keine internationalen Besucher.
F: Wie hat Covid-19 Shadows of Africa als Unternehmen und Ihre Aktivitäten „vor Ort“ beeinflusst?
A: Da wir derzeit keine Besucher empfangen, machen wir das Beste daraus: Wir konzentrieren uns auf Schulungen, überfällige interne Arbeiten, Website-Optimierungen, neue Routen und Guide-Trainings via WhatsApp. Dennoch sehnen wir uns danach, Gäste wieder zu begrüßen.
F: Welche Auswirkungen hatte die Safaribranche im Allgemeinen?
A: Die Auswirkungen sind verheerend. Der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen, ohne klares Datum für die Wiederaufnahme.
F: Welche Auswirkungen hatte dies auf die lokalen Gemeinschaften, die beschäftigt sind? Wie viele Einheimische beschäftigen die Parks und die Safariunternehmen?
A: Der Tourismus macht etwa 20 Prozent der tansanischen Wirtschaft aus, mit 15 Prozent der Bevölkerung direkt im Sektor – zuzüglich Nebenjobs wie Mechaniker oder Safariladensver käufer. Anders als in EU oder USA gibt es keine Staatsunterstützung; viele schickten Teams in unbezahlten Urlaub mit schweren Folgen.
F: Wie wird sich die soziale Distanzierung auf Safariunternehmen und ihre Aktivitäten „vor Ort“ auswirken, wenn das Reisen wieder beginnt? Gibt es Einschränkungen, mit denen Reisende rechnen müssen?
A: Safaris sind ideal für Distanzierung: Die weiten Savannen vermeiden Massen. Erwartet werden Desinfektionen in Lodges oder Masken für Guides – das Konzept passt perfekt zu dieser Zeit.
F: Da Safarireisen kleine Gruppen und Exklusivität betonen, verschafft das Vorteile? Können Sie das für die Zukunft nutzen?
A: Ja, absolut – das wird uns langfristig stark zugutekommen.
F: Wurde der Tierschutz durch die Pandemie beeinträchtigt?
A: Ja, massiv. Berichte zeigen steigende Wilderei. Naturschutz gelingt nur mit wirtschaftlicher Stabilität der Menschen; sinkende Einkommen fördern das Illegale.
F: Gibt es Chancen für nachhaltigeres Reisen post-Corona, z. B. gegen Overtourism oder für weniger bekannte Ziele? Wie hilft das Communities?
A: In Ostafrika ist Overtourism kein Thema: Tansania hatte 2018 1,9 Mio. Touristen vs. 20 Mio. in Amsterdam – bei viel größerer Fläche. Orte wie Katavi sehen nur 1.000 Besucher/Jahr. Der Rückgang verzögert Diversifizierung, doch Reisende schätzen Wunder Tansanias mehr.
F: Was sind Ihre Prognosen für Shadows of Africa und die Branche?
A: Wir erwarten ab Ende August langsamen Start, geringe Zahlen bis Dezember, ab Januar bis 75 Prozent des Vorjahres im Bestcase. Prognosen werden täglich angepasst.
F: Wie wirkt sich Covid-19 auf Tansania und afrikanische Nachbarn aus?
A: Neben Gesundheitsrisiken sorgen wir uns um finanzielle Härte; Lockdowns treffen Einkommen hart.
F: Welche Lehren für Reisende und Menschen?
A: Mehr Freundlichkeit und Empathie: Kleine Gesten wie Distanz halten oder Reisen verschieben statt stornieren machen den Unterschied für eine bessere Welt.