Nick Edwards, langjähriger Autor des Rough Guide to India, erklärt, wie die abgelegenen Andamanen ihr touristisches Profil langsam ausbauen – und abenteuerlustige Reisende mit unberührter Naturpracht belohnen, wie sie nirgends auf dem Festland zu finden ist.
Die smaragdgrüne Kette der Andamanen – ein Archipel über tausend Kilometer im Golf von Bengalen – ist ein Unikat in Indien. Hier erwarten Sie einige der schönsten Strände des Landes, umgeben von dichtem Wald, sowie die einzigen bedeutenden Korallenriffe Indiens, die Taucher aus aller Welt anlocken. Diese bunten Unterwasserwelten wimmeln von leuchtenden Fischen, Riffhaien, Mantarochen sowie Olive-Ridley- und Unechten Karettschildkröten. Ergänzt durch exotische Vögel, in Lagunen lauernde Krokodile und gelegentliche wilde Elefanten, wird die Faszination dieses Archipels schnell klar.
Der Archipel ähnelt optisch eher den Westküsten Myanmars und Thailands und ist näher daran gelegen. Indien erbte die Inseln erst nach der Unabhängigkeit von den Briten, die sie als Marinestützpunkt und Strafkolonie nutzten – oft auf Kosten der halben Dutzend indigener Stämme, die zuvor die einzigen Bewohner waren. Dieser Kolonialisierungsprozess setzte sich fort, als vor allem tamilische und bengalische Siedler kamen. Bestimmte Gebiete bleiben jedoch Stammesreservate.
Trotz ihres Platzes auf den Touristenrouten Indiens ziehen die Andamanen noch immer wenige Besucher an. Dieser atemberaubende Archipel ist ein unvergessliches Highlight jeder Indien-Reise.
Ihr erster Anlaufhafen: Port Blair
Der einzige Einstiegspunkt ist die Hauptstadt Port Blair, benannt nach einem englischen Leutnant des 18. Jahrhunderts. Die meisten fliegen aus Chennai oder Kalkutta ein; alternativ gibt es die strapaziöse 3- bis 5-tägige Schiffsreise von dort. Bei Ankunft erhalten Sie die kostenlose Sondergenehmigung, die Ihre besuchbaren Gebiete regelt. Sofort fällt der frische, grüne Duft auf – weit entfernt vom typischen urbanen Indien-Geruch.
Port Blair wirkt wie eine kleine Anomalie: Beton- und Wellblechbauten über grünen Hügeln, die ins Meer abfallen. Die Top-Attraktion, das Cellular Jail, erinnert düster an die Strafkolonialzeit. Bootstouren zu Viper Island und Ross Island lohnen sich ebenso wie Ausflüge zum Mahatma Gandhi National Marine Park bei Wandoor in Süd-Andaman. Die meisten reisen jedoch nach 1–2 Nächten weiter.
Die Hotspots: Havelock und Neil
Viele überspringen Port Blair und segeln direkt nach Havelock, dem Tourismusmagnet der Andamanen. Diese 12 km lange Insel mit hügeligem Wald, grünen Feldern und goldenen Stränden ist die größte des Ritchie-Archipels und nur Stunden mit dem Katamaran entfernt. In 20 Jahren wuchs sie von einem Backpacker-Treff zu einem belebten Ort mit über 60 Unterkünften – darunter Luxusresorts für indische Urlauber und Honeymooner.
Trotz wachsender Beliebtheit bietet Havelock die beste Auswahl an Hotels, Restaurants (probieren Sie Red Snapper im Wild Orchid) und Tauchschulen. Der prächtige Radhanagar Beach (Nr. 7), gesäumt von hohen Mohwa-Bäumen, beherbergte einst Rajan, den berühmten schwimmenden Elefanten (besuchbar im Barefoot Resort). Der Nachbar Neil Island entlastet Havelock und eignet sich ideal für längere Aufenthalte.
Die lange Straße nach Norden: Andaman Trunk Road
Viele beschränken sich auf Havelock und Neil – ein Fehler! Die kontroverse Andaman Trunk Road (sie durchquert Jarawa-Stammesland) führt von Port Blair durch Süd-, Mittel- und Nord-Andaman. Die Siedlungen wirken trostlos, doch sie öffnen Zugang zu idyllischen Stränden wie Kalipur im hohen Norden (auch per Boot von Arial Bay erreichbar). Fähren bedienen Rangat Bay und Mayabunder (Heimat der Karen). Von dort: Ausflug zur unberührten Interview Island, einem Naturschutzgebiet.
Die isolierte Idylle: Long Island
Für Ruhe suchende ist Long Island perfekt. Auf der Route Havelock–Rangat finden Sie einen kleinen Basar, Unterkünfte wie das gesellige Blue Planet und tolle Wanderungen zu einsamen Stränden.
Die entspannte Option: Little Andaman
Little Andaman, die südlichste und überraschend große Insel, erinnert an Havelock der 90er. Große Teile sind Onge-Reservat, doch der Nordosten ist zugänglich. Entlang des 8-km-Strands zwischen Hut Bay und Netaji Nagar warten Gästehäuser und günstige Strandhütten. Besuchen Sie die White Surf Waterfalls – und nutzen Sie die exzellenten Surfspots.
Hin- und Rückflüge nach Port Blair aus Chennai oder Kalkutta kosten in der Wintersaison über 200 £. Schiffsreisen vom Festland nur 20 £. Inseltransport und Budget-Unterkünfte (5–10 £/Nacht) sind günstig. Mehr zu Indien im Rough Guide to India. Flüge vergleichen, Hostels buchen und Reiseversicherung abschließen.
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