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Sternenbeobachtung auf Antelope Island, Utah: Ein Dark-Sky-Highlight aus erster Hand

Seit der totalen Sonnenfinsternis in den USA 2017 boomt der Astrotourismus. Angesichts zunehmender Lichtverschmutzung weltweit gewinnen Dark-Sky-Parks an Bedeutung. Jacqui Agate, erfahrene Reisejournalistin, berichtet von Antelope Island in Utah – Heimat von mehr Dark-Sky-Parks als jeder anderen Region der Welt.

Es ist 21:30 Uhr, und Antelope Island versinkt in tiefer Dunkelheit. Nur das Flackern eines nahen Lagerfeuers durchbricht die Schwärze. Meine Augen gewöhnen sich langsam an die Finsternis, und dann blicke ich hinauf: Eine trüb bewölkte Nacht, doch seltsame Sternhaufen blitzen durch die Wolken.

„Mal sehen, was wir entdecken können“, unterbricht Wendy Wilson, stellvertretende Parkleiterin und Organisatorin der heutigen Star-Party, die Stille. Mit einem grünen Laser zeichnet sie Sterne ein: Zuerst ein Dreierstern in einer Linie, dann ein Viereck daneben. Der Strahl schnellt zurück.

„Da ist der Große Wagen“, verkündet Wilson. „Oder nennen Sie ihn den Pflug?“ Ich erkenne die topfförmige Konstellation und nicke anerkennend. „Cool, oder?“, sagt sie und blickt weiter zum Himmel. „Genau das raubt Lichtverschmutzung in Städten uns: Diese Ehrfurcht erregende Pracht.“

Wir stehen nahe dem Campingplatz White Rock Bay, nur fünf Kilometer vom Eingangstor entfernt. Die Insel im Great Salt Lake umfasst rund 28.000 Acres – kein Wunder, dass ihre Anerkennung als Dark-Sky-Park 2017 ein Meilenstein war. Solche Parks zertifiziert die International Dark-Sky Association (IDA) für ihre exzellente Nachthimmelqualität und den nachhaltigen Schutz.

Utah führt weltweit mit 11 Dark-Sky-Orten (und die Liste wächst). In Zeiten steigender Lichtverschmutzung ist ihr Schutz dringender denn je. Science Advances meldet einen jährlichen Zuwachs beleuchteter Flächen um 2,2 % zwischen 2012 und 2016 – mit gravierenden Folgen.

„Nachts jagen, wandern, brüten und ruhen Wildtiere unter dem Schutz der Dunkelheit. Für uns Menschen ist sie essenziell zur Melatoninproduktion, die Schlaf-Wach-Rhythmen steuert“, erklärt Wilson. „Lichtverschmutzung trifft alles: Gesundheit, Sicherheit, Luftqualität, Kosten, Wildlife und unsere Naturverbundenheit.“

Als Nachbar der dicht besiedelten Wasatch-Front ist Antelope Island besonders gefährdet. Doch Wilson betont: Die Insel hält ihren funkelnden Himmel. Parkmitarbeiter sorgen für dark-sky-konforme Beleuchtung („Nachtlichter nur gezielt, wo und wann nötig“), kooperieren mit Communities und bieten Star-Partys sowie Nachtfotokurse an.

Astrotourismus explodiert: Airbnb notiert steigende Nachfrage nach dunkelhimmeltauglichen Unterkünften mit Teleskopen – Topländer: USA, Frankreich, Italien.

Mein Blick folgt erneut dem Großen Wagen. In Städten sind solche kosmischen Momente rar. Auf der Rückfahrt zur Wasatch-Front erhellt sich der Himmel, Antelope Island bleibt ein schwarzes Juwel.