Beim Rundgang mit Ihren Mitreisenden um den Chor der Prager Veitsdom-Kathedrale auf der Prager Burg fallen neben den Gräbern mittelalterlicher böhmischer Könige wie Břetislav, Spytihněv und Bořivoj vor allem die Überreste historischer Figuren ins Auge. Doch dann versperrt ein monumentales silbernes Grab Ihren Weg – ein barockes Meisterwerk, das wie ein unvollendetes Relikt wirkt. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich eines der opulentesten Mausoleen: Massives Silber, schwebende Engel am Baldachin, ein strahlender Heiligenschein und ein Cherub, der auf einen Glaskasten deutet. Darin: eine abgetrennte Zunge.
Die Jesuiten inszenierten hier theatralisch das Grab ihres Schutzpatrons, des Heiligen Johannes von Nepomuk. 1393 wurde der Priester verhaftet, gefoltert und von der Karlsbrücke in die Moldau geworfen, weil er das Beichtgeheimnis der Königin gegenüber König Wenzeslaus IV. wahrt. Über der Unglücksstelle erschienen laut Legende fünf Sterne – ein Motiv auf all seinen Statuen, inklusive der ikonischen Karlsbrückenfigur. 1715 exhumierten die Jesuiten den Leichnam und präsentierten eine angeblich unversehrte, "lebendige" Zunge in einem Reliquiar. Wissenschaftliche Analysen 1973 ergaben jedoch: Es handelt sich um erhaltene Hirnmasse. Die heutige Reliquie ist eine Nachbildung.
Der Veitsdom auf der Prager Burg ist täglich geöffnet. Die Karlsbrücke ist rund um die Uhr zugänglich. Mehr zum Heiligen Johannes von Nepomuk: www.pragueexperience.com.