Wien, die österreichische Hauptstadt, widmet sich intensiv dem 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs. Im Laufe des Jahres 2014 öffnen zahlreiche hochwertige Ausstellungen ihre Türen und beleuchten diesen epochalen Konflikt. Diese Fokussierung mag überraschen, da Österreich-Ungarn als eine der zentralen Mächte durch den Krieg zerstört wurde. Dennoch findet Wien einen fesselnden Weg, den eigenen historischen Niedergang zu reflektieren – einzigartig unter europäischen Metropolen.
Im Jahr 1914 war Österreich das Herz eines mächtigen multinationalen Reiches. Die Wiener Archive bergen eine Fülle an Fotografien und Dokumenten, die den Kriegsalltag an Front und Heimatfront der Habsburgermonarchie illustrieren. Die Veranstaltungen 2014 ehren implizit die Verantwortung Wiens gegenüber all jenen, die unter österreichischer Flagge kämpften. Doch das Gedenken beschränkt sich nicht allein auf den Krieg.
Die Programme lenken den Blick auch auf die kulturelle Blütezeit der Wiener Moderne vor 1914 – eine Ära, geprägt von Ikonen wie Gustav Klimt, Arnold Schönberg und Sigmund Freud. Das fin de siècle Wiens ist fester Bestandteil der touristischen Anziehungskraft der Stadt. Das Jubiläum 2014 nutzt diese Gelegenheit meisterhaft, um diese Errungenschaften zu feiern. Hier sind sechs Highlights, um in Wien des Großen Kriegs zu gedenken.
Das Auto, die Pistole und der Straußenfederhut
Wie jedes Geschichtsbewusste weiß, löste das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo den Ersten Weltkrieg aus. Die verwendeten Pistolen sind nun im vollständig renovierten Saal des Heeresgeschichtlichen Museums zu sehen. Die Ausstellung öffnet genau hundert Jahre später für die Öffentlichkeit. Als Erbe der imperialen Militärtradition dient das Museum als Gedenkstätte für alle Völker Mitteleuropas. Tschechen, Ungarn, Slowenen und Kroaten kämpften an der italienischen und russischen Front – dies unterstreicht die neu gestaltete Dauerausstellung, die bis Sommer 2014 fertiggestellt wird.
Ab dem 28. Juni
Ruhm und Düsternis: Leben im Großen Krieg
"Glory and Gloom: Living With the Great War" im Schloss Schallaburg bei Melk ist der Höhepunkt unter den Ausstellungen. Diese umfassende Schau erzählt persönliche Geschichten von Soldaten und Zivilisten, gezeichnet vom Konflikt. International ausgerichtet, zeigt sie die globale Dimension: Österreichisch-ungarische Truppen dienten in Deutsch-Ostafrika, Matrosen verbrachten den Krieg als Gefangene in Japan.
28. März – 9. November
Und doch gab es Kunst!
Egon Schiele bewachte russische Kriegsgefangene und porträtierte sie in seiner Freizeit – ein Kontrast zu Albin Egger-Lienz, dessen quälende Bilder von der italienischen Front zeugen. Beide stehen im Zentrum der Ausstellung "And Yet There Was Art! Österreich 1914-1918" im Leopold Museum. Sie beleuchtet die vielfältigen Künstlerreaktionen. Schiele starb tragisch am 31. Oktober 1918 an der Spanischen Grippe – just als das Reich unterging.
9. Mai – 15. September
Armageddon: Jüdisches Leben und Tod im Ersten Weltkrieg
Im Jüdischen Museum Wien wird die zentrale Rolle der österreichischen Juden hervorgehoben: Rund 300.000 dienten in den k.u.k.-Armeen. Die Schau porträtiert jüdische Journalisten, Geschäftsleute und Intellektuelle an der Heimatfront.
2. April – 14. September
An mein Volk: Der Erste Weltkrieg 1914-1918
Benannt nach Kaiser Franz Josefs Kriegsproklamation, präsentiert die Österreichische Nationalbibliothek Plakate, Postkarten, Fotos und Zeichnungen, die den Krieg im Wiener Straßenbild widerspiegeln.
13. März bis 2. November
Erster Weltkrieg in Wien: Stadtleben in Fotografie und Grafik
Das Wiener Stadtarchiv öffnet seine Schätze: Bewegende Bilder kontrastieren Alltagsroutinen mit Armut, Hunger und seltenen Freudenmomenten.
18. September bis 11. Januar 2015
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