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Bergführer auf dem Aconcagua: Ein Einblick ins Leben eines Profis und der Weg zur Qualifikation

Für Naturliebhaber ist der Beruf des Bergführers der Inbegriff von Abenteuer – hoch oben in den Bergen. Um zu verstehen, wie es wirklich ist, seinen Lebensunterhalt in extremen Höhen zu verdienen, reiste die erfahrene Bergsteigerin Ros Walford nach Argentinien. Dort traf sie Daniel „Roger“ Cangiani, einen der führenden Guides am Aconcagua, dem höchsten Gipfel Südamerikas.

Aconcagua-Expedition

Das Gartentor fliegt auf, und ich werde mit einer herzlichen argentinischen Begrüßung empfangen: ein abrazo – eine feste Umarmung mit Küssen auf beide Wangen – sowie aufmunternde Worte.

„Adelante, komm rein!“, ruft Guide Daniel „Roger“ Cangiani und führt mich zur Haustür seines Zuhauses am Rande von Mendoza.

Drinnen begrüßt mich seine Familie ebenso warmherzig. Wir setzen uns an den Küchentisch, trinken traditionellen maté-Tee durch einen Strohhalm und sprechen über das Leben in den Bergen.

„Seit 1995 führe ich im Parque Nacional de Aconcagua“, erzählt Roger. „Es ist für mich ein Lebensgefühl und eine tiefe Leidenschaft – ich kenne jeden Winkel dieser Berge und fühle mich dort wie zu Hause.“

Roger wirkt wie ein Mann, der das Leben im Freien lebt: gebräuntes Gesicht, gepflegter Bart.

In der Sommersaison bringt er Gruppen von 8–10 Kunden auf den 6960 m hohen Gipfel des Aconcagua – den höchsten Berg außerhalb Asiens.

Alle Guides und Träger verbringen lange Wochen im Basislager auf 4200 m Höhe, eine zweitägige Wanderung von der nächsten Straße entfernt. Die Umgebung ist rau: pure Felsen und Geröll. Dennoch gibt es Komfort: Betten, Duschen, Toiletten, ein großes Messezelt für Gemeinschaftsmahlzeiten und Vorräte, die Träger und Maultiere heraufbringen. Während Gäste entspannen oder ruhen, sorgen die Teams im Hintergrund für Sauberkeit und Versorgung.

„Der Tag startet um 6 Uhr morgens“, erklärt Roger. „Wir schmelzen Schnee für Wasser und bereiten das Frühstück vor. In großer Höhe ist der Siedepunkt niedriger, Kochen dauert länger – Mahlzeiten müssen einfach sein.“

„Wir hinterlassen nichts Schädliches: Alles wird mitgenommen oder verbrannt. Sogar Latrinenabfälle fliegen per Helikopter ab. Höhere Lager sind spartanischer.“

Im Vergleich zu anderen Achttausendern ist der Aconcagua-Aufstieg machbar: Kein Klettern, 18 Tage Wandern – für Fitte mit guter Akklimatisation.

Beim Gipfelglück lächelt Roger: „Es ist schwer zu beschreiben. Unter dir ein Meer aus Bergen, an klaren Tagen sieht man den Pazifik, über 100 km entfernt.“

„Starker Wind zwingt manchmal zum Abbruch – emotional, jemanden zum ersten Mal oben zu begleiten.“

Nach erfolgreichen Gipfeln brodelt es im Speisezelt: Kletterer aus aller Welt teilen Geschichten in der „internationalen Bergsprache“.

„Weihnachten im Basislager ist Feststimmung: Wein und Champagner per Maultier herauf. Oben ist es kälter, kein Alkohol.“

Gespräche drehen sich um Abenteuer. Traurig: In Pakistan starben Mariano Galván und Alberto Zerain vermutlich an einer Lawine am Nanga Parbat, dem „Killerberg“.

Das ist Bergsteigen: Auf Aconcagua sterben jährlich 1–2 Menschen, meist herzbedingt.

Doch Roger betont: „Risiken sind hier gering – keine Lawinen, aber Vorsicht geboten. Bei Unfällen koordinieren wir mit Parkrangern; Hilfe kommt schnell. Unsere Priorität: Sicherheit.“

Trotz Risiken überwiegen Triumphe. Kollege Ulises Corvalán meisterte die Seven Summits und führte eine Kundin auf alle Kontinentalgipfel.

Eine der größten Leistungen der Kletterszene – belohnt nach Jahren harter Ausbildung.

Bergführer werden

Der Weg zum zertifizierten Bergführer erfordert jahrelange, anspruchsvolle – und kostspielige – Ausbildung. Haben Sie das Zeug dazu? Hier der Überblick.

Welche Arten von Führungen gibt es?

Sie können sich in Disziplinen wie Hochgebirge, Skifahren, Trekking, Eisklettern, Kletterhallen oder Big-Wall spezialisieren.

Welche Qualifikationen benötige ich?

Die IFMGA-Zertifizierung der International Federation of Mountain Guide Associations ist die weltweit anerkannteste. Sie erlaubt Arbeit überall.

Sieben Jahre intensives Training und Prüfungen – anspruchsvoll, aber erstklassig. Lesen Sie die Voraussetzungen: Ihr Respekt vor Guides wächst!

Viele Länder bieten nationale Zertifikate für lokales Gelände – gültig nur dort.

In unregulierten Ländern wie Großbritannien oder USA lernen Sie nebenbei auf Arbeit.

Landesspezifisch: In UK bei British Mountain Guides und Mountain Training; USA bei AMGA (Fels-, Berg- und Skiführer). Für Alpen: Nur IFMGA.

Was beinhaltet die Schulung?

1. Voranmeldung: Medizinisches Attest, Erste Hilfe, Nachweis Outdoor-Erfahrung.

2. Training: Festgelegte Touren (Wandern, Klettern, Camps, Off-Piste-Ski) loggen, plus Notfall-, Rettungstraining und Umweltschutz.

3. Konsolidierung: Weitere Praxis in Ihrer Disziplin.

4. Bewertung: 1–2 Wochen intensive Prüfung in Bergen.

Schnelldurchlauf möglich? Bei viel Erfahrung: Direkt zur Prüfung – je nach Kurs.

Praktische Tipps: Aconcagua-Expedition (18 Tage): Ca. 3500 USD inkl. Parkgebühren. Roger bei Argentina Extrema; Alternativen: Fernando Grajales, Inka Expediciones. Früh buchen, mind. 10 Tage.

Bild oben © Mikadun/Shutterstock

Bilder von oben nach unten (links–rechts): Christian Kober/Alamy; Griselda Moreno; Ros Walford; Griselda Moreno; Griselda Moreno; Griselda Moreno; Ros Walford; Ros Walford; Pixabay/CC0; Pixabay/CC0; Pixabay/CC0; Robert MacDonald/Flickr.

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