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Porträts der Handwerker: Persönliche Gespräche mit Chichesters kreativen Köpfen

Chichester ist bekannt für seine sanften Hügel, die römische Geschichte und die nahen Strände – doch die wachsende Kunst- und Handwerksszene verdient ebenso Aufmerksamkeit. Wir haben fünf lokale Handwerker getroffen, die mit ihren einzigartigen Geschichten die Seele dieser charmanten Stadt im Südosten Englands beleben.

Anne Marshall: Glaskünstlerin

Im weiß getünchten Atelier von Anne Marshall in Birdham bei Chichester empfängt mich eine kühle, skandinavische Ästhetik. Die in Bromley geborene Künstlerin winkt mich herein, ihr herzliches Lächeln schimmert hinter einer babyrosa Maske durch.

Im polarweißen Raum hängen Anhänger wie Stalaktiten von der Decke, schillernde Fische schweben in glasartigen Platten. Mein Blick wandert über Vitrinen und Arbeitsplatten zu walförmigen Teelichtern in Stahlblau. Nordische Akzente prägen Baumschmuck, hauchdünne Glaskörbe wie Schneeflocken, Türschilder und Rührstäbchen.

Das Klirren von Glas mischt sich mit sanfter Hintergrundmusik, während Anne in Schränken kramt. „Ich fertige gerade diese Flaschenglasbäume fertig“, sagt sie und deutet auf den Miniaturwald. „Das habe ich letzte Nacht gemacht.“ Ihre Gelassenheit beeindruckt angesichts der aufwendigen Arbeit.

„Ich liebe die großen skandinavischen Bäume. Sie erinnern mich an Norwegen, wo ich in einem Bootshaus mit Blick auf einen Kiefernwald lebte“, erzählt Anne strahlend. „Wie Anita Roddick sagte: Ich wollte ‚alles andere als mittelmäßig sein‘. Statt Sekretärin zu werden, reiste ich entgegen dem Rat meines Vaters durch Europa.“

Auf ihrer Solo-Reise von Skandinavien nach Osteuropa entdeckte sie ihre Leidenschaft für ein nomadisches Leben, das sie später als Flugbegleiterin finanzierte. „Ich erkundete Märkte, machte Nachtaufnahmen statt mit der Crew zu feiern. Risiken eingehen ist gut, wenn man dem Instinkt folgt – so wie beim Glas: Ich schiebe es in den Ofen und sehe, was passiert.“

Inspiration holt sie aus Reisen und der lokalen Natur. „Mit meinem Partner radle ich den South Downs Way entlang, picknicken und lassen alles wirken. Wale entstehen aus Glas von Booten, Ohrringe aus angespültem Seeglas der Strände.“

West Sussex eroberte Anne durch Segeln. „Ein Freund brachte mich dazu, ich verkaufte mein Haus in Reigate und zog her. Ich cremte Yachten, erwarb den Yachtmaster und lieferte Boote nach Griechenland und mehr. Die Biskaya-Überquerung im Winter weckte mich für Nachtsegeln.“

Glas passt perfekt zu ihrer Wasserliebe. „Ich leitete eine Schwimmschule in Oving, schwamm wettkampfmäßig. Glas ist wie Wasser transparent – ich liebe Türkis und Gletscherblau.“

Ein Kursgeschenk am West Dean College zündete den Funken. Weitere Kurse in Somerset, Havant und Bristol bauten ihr Studio auf. Der Chichester Art Trail brachte Erfolge auf Märkten und in Galerien. „Ich gebe Workshops im Gartenatelier, verkaufe online und mit Pop-up-Shops im Wohnmobil – trotz Pandemie-Herausforderungen.“

Marysa de Veer: Buchbinderin

„Stell dich einfach über ihn“, sagt Marysa de Veer lachend, während ich ihren schlafenden Hund umtänzle. In ihrer Midhurst-Werkstatt atmet der Raum Geschichte: antike Geräte, Regale mit Büchern und Farben wie aus einem Dickens-Roman.

Marysa bearbeitet konzentriert ein Buch. „Ein Prototyp ‚Spring Back‘ für meinen Kurs am West Dean College“, erklärt sie und tupft warme Farben auf Vorsatzblätter.

„Ein Spring Back ist ein altes Kontobuch, das flach aufgeht. Ich liebe Farbe und probiere kühne Kombinationen – vielleicht vom westafrikanischen Sonnen-Feeling meiner Kindheit.“

Kreativität prägte ihre Jugend: Töpferei, Zimmerei, Weben. Ihre bibliothekarische Mutter zeigte ihr goldgeprägte Manuskripte. Mit 23 machte sie einen Buchbinderkurs, gründete Otter Bookbinding.

Sie holt ein rotes Lederbuch mit Blattgold. „Architektonische Entwürfe im Stil von Stuart Devlin, für seine Witwe gebunden, nun an Goldsmiths University.“

Aufträge variieren: Familiengeschichten, Skizzenbücher, Bibeln. „Jedes hat eine Story“, sagt sie und streichelt ihre Katze. Maureen, ihre Mentorin vom Guildford College, inspirierte sie nachhaltig.

In der Pandemie ging sie online: „Tutorials für Küchentisch-Buchbinderei – kreativ, entspannend, von zu Hause.“

Jali Mbye: Kora-Spieler und -Macher

An einem regnerischen Tag in Midhurst umhüllt der harfenartige Klang einer Kora aus Kalebasse die Luft. Jali Mbye spielt virtuos im Garten, als sei es das Natürlichste.

Aus Gambia tourte er mit 11 weltweit, lehrt nun in Brighton und baut in Midhurst Koras. „Ich liebe Handarbeit – bauen und spielen versinken mich stundenlang.“

Er justiert Saiten einer modernen Kora für Finnland: Harfensaiten, Hartholz, Elektronik. „Trotzdem bleibe ich traditionell verbunden.“

Inspiration aus Erbe, Natur und Künstlern wie Lennon. „Die Kora sendet Botschaften von Mensch zu Mensch.“ Gambia-Lieferungen halten Familie nah.

Juliet Rose: Seifenmacherin

In Sea Change in Midhurst multitasst Juliet Rose: Sie berät Kunden zu Düften wie Muskatnuss-Safran-Oud, während sie ihre Reise erzählt.

Von Londoner Künstlerin zu Seifenspezialistin: Nach einer Blockade füllte Seife die Lücke. Märkte in Camden und Covent Garden folgten.

„Midhurst ist nachhaltiger – Strände, South Downs. Plastikfrei, zero-waste.“ Produkte spiegeln Natur und Filme wider: verbranntes Motoröl, Fluss-Schwimm-Düfte.

Mit Partner destilliert sie Öle; Kerzen und Parfüms ergänzen.

Heather Muir: Keramikerin

„Heute ist es ordentlich“, sagt Heather Muir im Gartenatelier. Porzellanteile in Erdtönen, wilde Reben rahmen die Idylle.

Sie mischt Glasuren aus lokalen Rohstoffen. „Nachhaltig, erdverbunden.“ Form und Strandfarben inspirieren.

Aus bildhauerischer Familie, Abschluss in Bath, nun Vollzeit: „Keramik ist Achtsamkeit, Flucht vor dem Alltag.“ Southern Ceramic Group, bald Draper’s Yard.

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