Johannesburg wird oft missverstanden, doch diese pulsierende Metropole lohnt jeden Besuch. Mit einer Fülle an Museen, Galerien, Weltklasse-Jazz und einer blühenden Street-Art-Szene hat die Stadt viel zu bieten. Als erfahrene Reisende Rebecca Hallett begleitet Past Experiences-Gründerin und Expertin Jo Buitendach auf einer Tour durch das Maboneng Precinct, um eine faszinierende, weniger bekannte Seite Joburgs zu enthüllen.
„Natürlich ziehen die großen Werke die Blicke auf sich, aber alles beginnt mit den Tags“, erklärt Jo. „Diese kleinen Zeichen motivieren Neulinge, in die lokale Graffiti-Szene einzutauchen, etablierte Künstler zu treffen, zu experimentieren und sich kreativ auszudrücken. Ohne diese unscheinbaren Tags gäbe es keine der monumentalen, farbenprächtigen Meisterwerke, die wir gleich sehen werden.“
Sie deutet auf stachelige Buchstaben, die „Bias“ formen: „Das ist von einem Freund, der auch für uns als Guide arbeitet – später sehen Sie mehr von ihm.“ Aus dem scheinbar chaotischen Gekritzel schälen sich Worte heraus. Es ist spannend, einen Blick in diese enge Community zu werfen.
Bei einem ersten Besuch in Johannesburg überrascht Jos Bezeichnung als „Graffiti-Hauptstadt Afrikas“. Die Stadt trägt noch Spuren ihrer turbulenten Geschichte, doch die Street-Art-Szene entstand in den 80er und 90er Jahren aus Verfall und Frustration. Bei 25 Prozent Arbeitslosigkeit nutzten junge Joburger verlassene Gebäude als Leinwand. Vandalismenkontrolle hatte keine Priorität, so entwickelte sich die Szene frei.
Heute gibt es sogar regierunglich beauftragte Werke. Jo zeigt auf zwei umarmende Figuren in Schwarz-Weiß-Rot an einem Gebäude: „Von dem französischen Künstler Kazyusclef, im Auftrag des Maboneng Precincts entstanden – wegen der Größe kein Schnellearbeit.“
Nicht alles ist offiziell. Leuchtend pink-orange Tore stammen von Johannesburger Ryza, inklusive passendem Rolltor. Lokale Geschäfte bieten Künstlern Wände: Kostenloser Anstrich gegen Leinwand. Große Marken wie Ray-Ban, Nando’s oder Adidas (z. B. Falkos Augen an der Fox Street im „I Art Joburg“-Projekt) fördern Talente kreativ.
„Tags sind essenziell für Graffiti“, betont Jo vor einem scheinbar simplen Türkritzel nach siebenstöckigen Murals. Unter Falkos Werk: Türkisfarbene Lippen von Pastel Heart aus Durban, der 2015 verstarb. Unberührt als Respekt. Diese Community lebt von gegenseitigem Respekt – zwischen Legalem und Illegalem.
Jo respektiert das: „Ich bin keine Graffiti-Künstlerin, spreche daher nie für sie.“ Sie grüßt Bekannte, plaudert lebhaft.
Sie korrigiert Missverständnisse: Schrottsammler mit Karren sind selbstorganisierte Recycler, Joburger Ikonen. „Bewundernswert, hartes Leben, kleines Business.“ Am Market on Main: Hipster-Stände, T-Shirts mit ihren Motiven. „Schaut auf Straßenstände und Wände – pure lokale Kreativität.“
Street Art in Joburg mischt Politik mit Hoffnung. Beispiele: Jan van Riebeeck in afrikanischem Wax von Gaia und Freddy Sam („Afrika kolonisiert zurück“); Afrika47s Triptychon mit Zulu-Perlen und Waffen.
Johannesburgs Kunst fängt den Moment als lebendige Galerie. Jos Touren teilen das Ephemere mit Leidenschaft.
Straßenkunst von Mister Slippers – Copyright by Rebecca Hallett