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Könnte COVID-19 das Ende des Overtourismus einleiten? Eine Expertenanalyse

Bevor die COVID-19-Pandemie zuschlug, litten weltweite Tourismushotspots wie Barcelona, Venedig, Tulum oder der Taj Mahal unter massiver Überlastung. Als erfahrener Tourismusjournalist frage ich: Könnte COVID-19 das Ende des Overtourismus markieren?

Was ist Overtourismus?

Im Jahr 2019 strömten 3,2 Millionen Besucher nach Barcelona, während 5,5 Millionen Venedig ansteuerten. Zu viele Touristen lösen ein Geflecht lokaler Probleme aus: Staus, Überlastung des öffentlichen Nahverkehrs, explodierende Immobilienpreise und Vertreibung der Einheimischen. Darüber hinaus verlieren überforderte Orte ihren einzigartigen Charme und ihre Kultur – genau das, was Reisende eigentlich suchen. Wer je hinter einer Gruppe sonnenroter, kamerabewaffneter Touristen feststeckte, kennt das. Der Begriff 'Overtourismus' etablierte sich um 2015, seitdem bekämpfen Reiseziele das Phänomen weltweit.

Gegenmaßnahmen weltweit

Overtourismus verursacht vielfältige lokale Herausforderungen, weshalb Städte und Regierungen kreative Lösungen erproben: Touristenquoten in Venedig, strenge Airbnb-Regeln in Berlin oder Limits für Kreuzfahrtschiffe in Brügge. Maya Beach in Thailand, berühmt durch den Film The Beach, schloss bis mindestens Mitte 2021 komplett.

In Barcelona protestierten Bürger 2017 mit Graffiti wie 'Touristen gehen nach Hause' – oft verknüpft mit dem Plädoyer für Flüchtlinge statt Massentourismus. Slogans wie 'Barcelona steht nicht zum Verkauf' oder 'Wir lassen uns nicht vertreiben' hallten durch Europa, von Venedig über Rom bis Amsterdam und Lissabon.

Die Wende durch COVID-19

Die Pandemie änderte alles. Auf dem Höhepunkt ordneten Regierungen weltweit Lockdowns an – etwa die Hälfte der Erdbevölkerung blieb zu Hause. Die Reisebranche stand still: Flugflotten am Boden, Attraktionen, Bars und Restaurants geschlossen. Auch wenn Einschränkungen gelockert werden, sieht Reisen kurzfristig anders aus.

Overtourismus ist vorerst passé. Quarantäne, Hygienestandards und Infektionsrisiken bremsen Fernreisen. Viele Urlauber bleiben heimisch, wählen Autoreisen, Waldhütten oder Selbstversorger-Apartments. Soziale Distanz wird Standard: Besucherlimits, wie 40 Personen pro 1000 Quadratmeter auf griechischen Stränden. Menschen meiden Massen, umgehen Hotspots. Für 2020 und 2021 bleibt Overtourismus aus – doch langfristig?

Angebot und Nachfrage: 2021 und darüber hinaus

Über zehn Prozent der Weltbevölkerung arbeiten im Tourismus, dem Rückgrat vieler Volkswirtschaften. Italien lockt mit 150-€-Gutscheinen für Unterkünfte. Kurzfristig erwarten wir Rabatte von Airlines, Hotels und Attraktionen. Dennoch: Experten prognostizieren fünf Jahre bis zum Vorkrisenniveau bei Flugreisen.

Die Pandemie traf Jobs und Einkommen hart – viele sparen statt zu reisen. Langfristig drohen Preiserhöhungen: Lufthansa hält bis 2022 Hunderte Flugzeuge am Boden, Nachfrage könnte Angebot übersteigen.

COVID-19 verändert Gewohnheiten dauerhaft. Kreuzfahrten und Metropolen-Highlights verlieren Appeal. Innovationen boomen: Homeoffice reduziert Geschäftsreisen, Museen wie der Louvre migrieren online. Warum in der Menge zur Mona Lisa drängeln, wenn sie vom Sofa aus sichtbar ist?

Ältere Reisende zögern wegen Risiken; Junge mit starkem Immunsystem pionieren. Reisen werden bewusster.

Nachhaltiges Reisen als Zukunft

Die Pandemie brachte Leid, doch auch Chancen: Rekordrückgang der CO₂-Emissionen durch weniger Flüge. Sie lädt uns ein, Reisen neu zu denken. Hat COVID-19 Ihr Fernweh geweckt? Wollen Sie nachhaltiger unterwegs sein?

Nutzen Sie den Reset: Fahren Sie Elektroautos, planen Sie längere Trips oder unterstützen Sie lokale Anbieter. Nach 9/11 kamen neue Sicherheitsstandards – ähnlich erholt sich Tourismus resilienter. Unabhängig vom Overtourismus-Fate: Reisen wir verantwortungsvoller.