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Kaffee und Kuchen: Das ikonische Ritual in Wiens legendären Kaffeehäusern

So raffiniert wie der englische Nachmittagstee und so ehrfürchtig wie die japanische Teezeremonie ist Kaffee und Kuchen – das zivilisierteste aller Wiener Rituale. Als erfahrener Kenner der Wiener Kaffeehauskultur rate ich: Lassen Sie sich Zeit. Ein überstürzter Besuch wird vom typischen, etwas mürrischen Wiener Kellner sabotiert. Dieses Ritual verbindet Kultur und Kulinarik auf einzigartige Weise.

Die Kaffeehäuser sind eigenständige Highlights: Das prächtige, 19. Jahrhundert alte Café Central, das gemütliche Café Landtmann und das düstere, böhmisch inspirierte Café Hawelka unterscheiden sich wie Topfenstrudel vom Gugelhupf. Hier blättern Gäste in Zeitungen oder führen hitzige Diskussionen über Kunst und Politik. Gerüchten zufolge plante Trotzki hier die Weltrevolution – ein komischer Kontrast zur bürgerlichen Atmosphäre.

Die Kaffee-und-Kuchen-Tradition ist österreichisch einzigartig. Statt Cappuccino empfehle ich eine Mélange, das klassische Wiener Äquivalent – das macht Sie beim Kellner beliebt. Die Vielfalt verwirrt: Einspänner, Kleiner oder Großer Brauner, sogar Kaisermélange mit Eigelb und Weinbrand. Zu jedem Kaffee gibt es ein Glas Wasser.

Die Torten bestehen aus hochwertigen Zutaten, sorgfältig zubereitet. Gesünder macht sie das nicht, aber der Genuss ist garantiert. Klassiker wie Apfelstrudel und die intensiv bittere Sachertorte genießt man idealerweise mit einer Portion Schlagobers (Schlagsahne).

Exotischere Highlights sind die vielschichtige Esterházýtorte mit Mandelbiskuit und die karamellüberzogene Dobostorte.

Trotz all der süßen Verlockungen schwingt in vielen Wiener Cafés eine melancholische Note mit: Nostalgie für vergangene imperiale Zeiten und ein Bewusstsein der Vergänglichkeit sinnlicher Freuden. Ein saurer Kirschstrudel zu beenden fühlt sich wie ein kleiner, köstlicher Tod an – voller Mahler’scher Trauer.

Café Central, 1. Bezirk, Herrengasse 14; Café Landtmann, 1. Bezirk, Dr.-Karl-Lueger-Ring 4; Café Hawelka, 1. Bezirk, Dorotheergasse 6.