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Sind die palästinensischen Gebiete sicher für Reisende? Aktuelle Einschätzung und praktische Tipps

Die palästinensischen Gebiete faszinieren mit ihren hügeligen Olivenhainen, uralten Städten und herzlichen, vielfältigen Gemeinden – ein Ort voller Geschichte und Schönheit.

2017 erlebten sie einen echten Tourismus-Boom: In den ersten sechs Monaten stiegen die Besucherzahlen um fast zwei Drittel. Ausländer wurden von den malerischen Landschaften, den ikonischen Banksy-Werken und der Nähe zu einem der religiös, historisch und politisch bedeutendsten Orte der Welt angezogen.

Doch wie wirkt sich die US-Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch Präsident Trump auf den Regionaltourismus aus? Lizzie Porter, langjährige Nahost-Korrespondentin mit Sitz in Beirut, berichtet aus der Region.

Was ist mit Jerusalem, Israel und Donald Trump passiert – und warum ist es wichtig?

Seit Trumps Ankündigung am 6. Dezember 2017, Jerusalem offiziell als israelische Hauptstadt anzuerkennen, sind die Spannungen spürbar gestiegen. Im Westjordanland kam es zu Massenprotesten, einige Gruppen riefen sogar zu einer Intifada (Aufstand) auf.

Die Entscheidung löste weltweiten Aufruhr aus, da Palästinenser Ostjerusalem als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates sehen, während Israel Anspruch auf die ungeteilte Stadt erhebt.

Jerusalems Bedeutung ist enorm: Für Juden ist der Tempelberg der Ort biblischer Tempel, Muslime nennen ihn Haram al-Sharif und assoziieren ihn mit Mohammeds Himmelsreise, Christen verehren die nahe Grabeskirche als Jesus' Kreuzigungsstätte.

Israel besetzte Ostjerusalem 1967 – eine Besetzung, die international als illegal gilt. Heute erweitert es Siedlungen im Westjordanland, ebenfalls international umstritten. Palästinenser leben unter strenger Kontrolle israelischer Behörden, die viele Lebensbereiche, inklusive Sicherheit, prägen.

Viele Palästinenser sehen Trumps Schritt als Verlust der US-Neutralität in Friedensverhandlungen.

Welche Konsequenzen gab es bisher und wie wirken sie sich auf Reisende aus?

Bilder von brennenden Reifen und Protesten nach Trumps Ankündigung nähren Zweifel an der Sicherheit.

Die internationale Gemeinschaft reagierte zurückhaltend: Britanniens Premierin Theresa May nannte es "nicht hilfreich für den Frieden". Großbritannien plant keine Botschaftsverlegung nach Jerusalem.

Die Spannungen mündeten in Gewalt und erschweren langfristig Friedensabkommen.

Das britische Außenministerium (FCO) rät vom Besuch der Jerusalemer Altstadt ab, wo Konfrontationen am Tempelberg/Haram al-Sharif möglich sind. Die Lage kann sich rasch ändern – meiden Sie Demonstrationen im Westjordanland und folgen Sie lokalen Behörden.

Erinnern Sie sich: Gaza ist vom Westjordanland getrennt und für Touristen ungeeignet (FCO rät dauerhaft ab). Die Hauptattraktionen liegen im Westjordanland.

Kann ich die Gebiete noch besuchen – und warum sollte ich hinfahren?

Trotz kurzfristiger Turbulenzen gibt es keinen Grund, die palästinensischen Gebiete langfristig zu meiden. Hier viele Gründe für Ihren Besuch:

In Bethlehem lockt die Geburtskirche Pilger, doch entdecken Sie auch Banksys "Walled Off Hotel" an der umstrittenen Trennmauer (aus Sicherheitsgründen errichtet).

Noch authentischer: Der Bauernmarkt in der Altstadt oder das Terrassencafé von Visit Palestine in einem 200 Jahre alten Gebäude. Das Boutique-Hotel Hosh al-Syrian bildet junge Palästinenser im Gastgewerbe aus.

Das Palästinensische Museum bei Ramallah zeigte 2017 "Jerusalem lebt" – 2018 folgt "At The Seams" über Stickerei, Identität und Politik. Kuratorin Rachel Dedman: "Seit 1948 webt Stickerei Nationalismus, Widerstand und Wirtschaftskraft ein. Wie entsteht Identität in Palästina?" Ein Muss für kulturinteressierte Reisende.

Bei Ramallah braut die Familie Khoury in Taybeh Bier und Wein – ihr Oktoberfest bricht Klischees. Sie fördern Frauenkooperativen mit Seife und Za'atar.

Wanderer aufgepasst: Der 330 km lange Masar Ibrahim al-Khalil Trail durchquert das Westjordanland, unterstützt 53 Dörfer. Mit lokalen Guides und Homestays erleben Sie Beduinen in Jericho bis zu Bauernfamilien.

"Erleben Sie Gastfreundschaft, Alltag, Traditionen – bei Hochzeiten, Olivenernte oder Beduinen-Nächten", sagt die Organisation. Frühling ist ideal: Blütenpracht, mildes Wetter.

Der Trail öffnet auch Einheimischen neue Horizonte trotz Bewegungseinschränkungen. Mehr Wege: walkpalestine.com.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte ich treffen?

Standard-Tipps für sichere Reisen:

Folgen Sie Auswärtigem Amt (E-Mail-Alerts). Lokale Medien: Haaretz, Al Jazeera, BBC, Alternative Information Center.

Vermeiden Sie Proteste – sie eskalieren schnell. Konservative Kleidung in Heiligenstätten, keine Fotos von Soldaten oder Checkpoints.

Eintritt meist über Tel Aviv oder Jordanien (Israel kontrolliert Grenzen). Bei arabischen Passstempeln oder Herkunft: Erwarten Sie Fragen (Auswärtiges Amt informiert).

Sie werden Checkpoints erleben – traurige Realität der Besatzung. Doch die Region ist wunderschön. Viele kehren wieder.

"Wir sorgen für Gäste-Sicherheit und palästinensische Gastfreundschaft", betont George S. Rishmawi von Masar Ibrahim al-Khalil.

Rachel Dedman: "Palästina ist mehr als Konflikt: Alte Geschichte, Landschaften, Menschen, Essen, Handwerk, Bier und biblische Stätten."

Die Region verdient Ihren Besuch – hören Sie die Geschichten vor Ort.

Lizzie Porter ist freiberufliche Nahost-Journalistin in Beirut. Spezialistin für Kulturerbe, Vertreibung und Sicherheit, passionierte Wanderin und Arabisch-Expertin mit jahrelanger Regionalerfahrung.