Khasab, die staubige Hauptstadt der Halbinsel Musandam im Oman, hat etwas vom Wilden Westen. Hundert Kilometer durch die Vereinigten Arabischen Emirate trennen Musandam vom Rest des Oman – weit entfernt von den glänzenden Einkaufszentren der Hauptstadt Maskat.
Als erfahrener Reisender erkundet Daniel Stables die dramatische Küste, atemberaubende Berglandschaften und abgelegene Außenposten der Halbinsel Musandam und gibt unerschrockenen Entdeckern praxisnahe Tipps.
Die glänzenden Toyota Land Cruiser, die anderswo im Oman allgegenwärtig sind, weichen hier ramponierten Pickups, beladen mit Haushaltsgeräten und Zigaretten frisch aus dem Hafen. Im Alten Souk treffen iranische Schmuggler aus der Straße von Hormus auf emiratische Wochenendtouristen, die Musandams biblische Landschaften und die traditionelle Atmosphäre des Golfs genießen – etwas, das in entwickelten Regionen oft schwer greifbar ist.
Der Flug von Maskat nach Khasab zählt zu den spektakulärsten der Welt. Meine morgendliche Trägheit verfliegt, als wir über die Steinwüste der VAE gleiten: Große Hochebenen und Schluchten wirken wie geglättete Schokoladenglasur auf einem monumentalen Kuchen mit zerklüfteten Gipfeln.
Bei Erreichen von Khasab und der Küste wird klar, warum Musandam als "Norwegen Arabiens" gilt.
Riesige smaragdgrüne Wasserarme – Khors genannt – kräuseln sich fjordartig ins Inland. Sie entstanden nicht durch Gletscher, sondern durch die Kollision der eurasischen und arabischen Tektonikplatten.
Am nächsten Morgen steige ich mit anderen Gästen auf die Ladefläche eines 4x4 (keine Taxis oder Busse in Musandam – Mietwagen oder Mitfahrgelegenheiten sind essenziell). Am Hafen schaukeln bunt bemalte Schnellboote unter Fracht, weiß gestapelt wie Zuckerwürfel. Musandam ist für Schmuggel bekannt – ich frage mich, wie viel davon illegal ist.
Oman ist weitgehend sicher, dank strenger Justiz. Doch in Khasab wird Schmuggel toleriert. In der Piraten-Ära des 20. Jahrhunderts überquerten Tausende Ladungen täglich die Straße von Hormus. Die Iran-Sanktionsaufhebung dämpft es, verleiht Khasab aber einen rebellischen Charme.
Auf einer traditionellen Dhow gleiten wir gemächlich durch Khor ash Sham, den längsten und beeindruckendsten Khor, flankiert von steilen Klippen. Nach zehn Minuten begleiten Delfine das Boot spielerisch.
Wir ankern bei Telegraph Island zum Schnorcheln. Auf dem Felsen verfallen britische Telegraphenruinen. Hier soll "um die Ecke" entstanden sein: Segler erlitten nach der Ankunft Isolation und Hitze.
Noch isolierter: Kumzar, bootserreichbar am nördlichen Ende. Jahrhunderte Isolation schufen Kumzari, eine Mischung aus Farsi, Arabisch, Hindi, Portugiesisch, Italienisch und Englisch.
Am nächsten Tag: "Bergsafari" zum Jebel Harim, Musandams höchstem Gipfel. Im schmutzigen 4x4 (Omans Sauberkeitsregel gilt hier nicht) erklimmen wir kahle Berge. Nur Sträucher und Ziegen beleben die Szene. Bei einem Ruinen-Dorf staunen wir über Petroglyphen: Jahrtausendealte Ritzungen von Kamelen und Reitern, Zeugnis menschlicher Resilienz.
Petroglyphen auf der Halbinsel Musandam © Daniel Stables
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