Die Loughcrew-Hügel im Herzen Irlands sind ein gut gehütetes Geheimnis – doch zur Frühlings-Tagundnachtgleiche entfalten sie magischen Zauber. Reiseexperte Paul Clements erinnert sich an seinen Besuch dieser rätselhaften Stätte.
„Frohe Tagundnachtgleiche!“, kichert unser Guide, während er uns durch einen niedrigen, engen Gang führt. Wir versammeln uns in einer dunklen, kreisförmigen Kammer, umgeben von uralten aufrechten Steinen. Eine kleine Gruppe mit müden Augen hat sich bei kaltem Morgenlicht auf einem Steinhaufen in den Loughcrew-Hügeln in der Grafschaft Meath eingefunden. Unser Ziel: Das Spektakel des Sonnenaufgangs zur Frühlings-Tagundnachtgleiche.
Es herrschen minus zwei Grad, wir stampfen mit den Füßen, um Wärme zu erzeugen. Bei klarem Wetter erleben wir, wie neolithische Felszeichnungen aufleuchten. Und wir haben Glück: Kurz nach 6 Uhr durchbricht ein schwach orangefarbenes Lichtbanner die östlichen Wolken.
In der kreuzförmigen Kammer knistert die Vorfreude. Der Guide beleuchtet mit einer Fackel den berühmten „Equinox-Stein“ – 35 m Durchmesser, 135 m Umfang. Wir sitzen still auf dem staubigen Boden, spüren die Ruhe und die Kontinuität von 5000 Jahren Geschichte.
Um 6:18 Uhr dringt ein winziger dreieckiger Strahl bernsteinfarbenen Sonnenlichts in den Gang und beleuchtet die obere linke Ecke des hinteren Steins.
Alle Blicke und Kameras richten sich darauf. Stille. Das Licht breitet sich aus, verfärbt sich zu blassgelb. Um 6:32 Uhr enthüllen sich neben Schnitzereien und radialen Linien mysteriöse Muster – blumenähnliche Formen mit Blütenblättern oder Blättern.
Selbst Archäologen rätseln über ihre Bedeutung. Vermutlich markieren sie die Variationen des Sonnenstrahls zur Tagundnachtgleiche. Dieses Ganggrab war likely ein zentraler Ort für einen Stamm, eine territoriale Markierung mit rituellen Symbolen und Sonnen-Ausrichtung.
Weitere 10 Minuten: Die Markierungen schärfen sich. Die Steine prangen mit Wirbeln, Spiralen, Bögen und Zickzacks. Gerahmt von der Türöffnung wandert das Licht langsam über den Stein – eine Reise von über einer Stunde. Oben dringt kein Licht ein; das originale Kragdach ist intakt.
Blinzelnd ins Sonnenlicht kehren wir hinaus, begleitet vom Lerchengesang. Der Hügel Slieve-na-Calliagh („Hexenhügel“), bescheidene 277 m hoch, birgt die Legende einer Hexe, die Steine aus ihrer Schürze fallen ließ.
Von oben eröffnet sich ein Panoramablick über das Boyne Valley und 18 Grafschaften. Samtgrüne Felder, getrennt durch alte Steinmauern, Dörfer. Nordwestlich die Sligo-Hügel, nordöstlich Mourne Mountains und Cooley Hills, südöstlich Wicklow Mountains.
Dieser Hügel – auch Carnbane East oder Cairn T – strahlt Archäologie, Geschichte und Mythos aus. Als höchster Punkt der Grafschaft Meath fasziniert er nachhaltig.
Die sanfte Frühlingsbrise am ersten Tag des Jahres hinterlässt bleibenden Eindruck. Loughcrew wirkt numinos, erzeugt Wunder und Verblüffung.
Bergab marschieren wir zum Parkplatz, dann ins Vanilla Pod Restaurant im Headfort Arms Hotel in Kells. Der „Full Irish“ schmeckt nach dem Abenteuer unvergleichlich: Frühes Aufstehen, Aufstieg, Erkundung der Steine, Lichtspiel – nur 30 Minuten nördlich von Dublin.
Über 30 steinerne Ganggräber prägen die Hügel; das Boyne-Tal beherbergt Brú na Bóinne, UNESCO-Weltkulturerbe.
Loughcrew bleibt mythisch, ein Prunkstück irischen Megalithenerbes – verkörpert „Irlands alter Osten“.
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