In Zeiten der Coronavirus-Pandemie erleben wir eine beispiellose Gesundheitskrise. Doch die Geschichte ist reich an ähnlichen Katastrophen. Als Experten für Weltgeschichte beleuchten wir neun beeindruckende Orte, die verheerende Pandemien überdauert und heute als Touristenmagneten erstrahlen.
1. Feodosia, Krim
Heute ein idyllischer Badeort an der Schwarzmeerküste, beliebt bei Urlaubern aus der ehemaligen Sowjetunion, war Feodosia im 14. Jahrhundert der Einstiegstor der Beulenpest nach Europa. Die verheerendste Welle erreichte 1347 die Region. Legenden berichten, dass mongolische Belagerer während der Belagerung von Caffa (dem alten Namen) pestverseuchte Leichen über die Mauern katapultierten – ein grausames Beispiel bakterieller Kriegsführung. Dennoch blieb Feodosia eine Schlüssel-Hafenstadt und ist heute ein entspanntes Urlaubsparadies.
2. Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit, Hrastovlje, Slowenien
Der 'Danse Macabre' – der Totentanz – prägte die spätmittelalterliche Kunst in Europa, inspiriert von wiederkehrenden Seuchen. Dieses Motiv zeigt, wie der Tod alle Stände gleichmacht: von Königen bis Bettlern. Eines der beeindruckendsten Fresken findet sich in der kleinen Kirche von Hrastovlje. Hier tanzen Skelette detailliert an allen Wänden – darunter ein Kaufmann, der vergeblich mit Bestechung versucht, dem Tod zu entkommen.
3. Cusco, Peru
Spanische Konquistadoren importierten im frühen 16. Jahrhundert Pocken nach Mexiko, die sich rasch bis Peru ausbreiteten. Inka-Kaiser Huayna Capac starb 1528 daran, was zu einem Bürgerkrieg führte. Als Francisco Pizarro 1532 einmarschierte, waren die Inkas geschwächt. Er eroberte Cusco, exekutierte Atahualpa und sicherte die Stadt für Spanien. Heute ist Cusco Startpunkt des Inka-Trails nach Machu Picchu und vereint Inka- mit Kolonialarchitektur.
4. Charminar, Hyderabad, Indien
'Charminar' bedeutet 'vier Minarette': Dieses ikonische Monument in Hyderabad ließ Stadtgründer Mohammad Quli Qutub Shah in den 1590er Jahren bauen. Es erinnert vermutlich an die Ausrottung von Cholera oder Pest. Das prächtige Bauwerk mit filigranen Verzierungen thront über dem Viertel und ist eine Top-Attraktion in Hyderabad.
5. Broadwick Street, London, Vereinigtes Königreich
Im 19. Jahrhundert plagten Cholera-Ausbrüche europäische Städte wie London. 1854 klärte Dr. John Snow den Ursprung in der Broad Street: Eine kontaminierte Wasserpumpe. Nach Entfernung des Handgriffs sanken die Fälle dramatisch – ein Meilenstein der Epidemiologie. Heute steht eine Nachbildung in Soho, und der 'John Snow Pub' ehrt den Pionier.
6. Athen, Griechenland
Im Peloponnesischen Krieg (431–404 v. Chr.) schien Athen siegen zu wollen – bis die Athenische Pest 430 v. Chr. zuschlug und die Stadt dezimierte. Dies trug maßgeblich zur Spartanischen Hegemonie bei. Viele Opfer ruhen im Kerameikos, wo Ruinen und ein Museum antike Bestattungsriten zeigen.
7. Dargavs-Nekropole, Nordossetien, Russland
Im Kaukasus verbirgt sich die 'Stadt der Toten': Fast 100 Bienenkorbgräber in Dargavs bergen Reste von Seuchenopfern vor Jahrhunderten. Aberglaube hält an: Götter sollen die Dorfbewohner für eine Sünde strafen. Bis vor Kurzem galt der Ort als verflucht – wer eintrat, kehrte nicht zurück.
8. Istanbul, Türkei
Byzanz erblühte unter Kaiser Justinian I. (527–565): Eroberungen, Reformen, Bauten wie die Hagia Sophia. Doch die Justinianische Pest ab 541 stoppte seine Italien-Pläne und breitete sich im Osten aus. Ohne spezifisches Denkmal bleibt die Hagia Sophia Vermächtnis dieses ambitionierten Herrschers.
9. Lyab-i-Hauz, Buchara, Usbekistan
Bis in die 1930er dienten 'Hauz'-Becken in Buchara als Wasserquellen – oft Brutstätten für Krankheiten. Die Sowjets schütteten die meisten zu. Lyab-i-Hauz blieb: Heute ziert es die Altstadt mit Medressen und Cafés, sicher und malerisch.