Als ich die Stufen zum antiken Amphitheater von Philippopolis hinabstieg, hielt ich inne und ließ den Blick über das staubige Panorama schweifen. Unter mir breitete sich eine Stadt mit über 8000 Jahren Geschichte aus. Als eine der beiden Europäischen Kulturhauptstädte 2019 reiste ich mit geringen Vorwissen, aber großen Erwartungen nach Plovdiv an. Die Realität übertraf diese Erwartungen bei Weitem.
Mein Reiseleiter Kiril erklärte mir begeistert, warum Plovdiv diese Auszeichnung verdient: „Zunächst einmal unsere lange Geschichte. Plovdiv zählt zu den ältesten Städten Europas und wurde kurz nach der Eiszeit erstmals besiedelt.“
Die Geschichte Plovdivs reicht über acht Jahrtausende zurück. Neolithische Siedlungen wurden von den Thrakern erweitert, bevor die Römer die Stadt eroberten. Es folgten die Osmanen, Perser, Griechen und Hunnen. „Trotz all dieser Eroberer blieb Plovdiv bulgarisch. Wir haben unsere Werte und Traditionen nie aufgegeben“, betonte Kiril.
Das halbkreisförmige Amphitheater zwischen den Hügeln Dzhambaz und Taksim war das erste große römische Bauwerk hier – erbaut im 1. Jahrhundert n. Chr. Seine Fundamente bergen Reste einer thrakischen Struktur. Die Bühne mit ihrem dreistufigen Steinrückaufbau, unterbrochen von Öffnungen und Säulenterrassen, zeugt von vergangenen Prachten.
Noch heute beherbergt das Theater im Sommer Konzerte, Theaterstücke und Shows für bis zu 5.000 Zuschauer. Die natürliche Akustik der umliegenden Hügel verstärkt die Darbietungen beeindruckend.
Von dort zogen wir in die Altstadt mit ihren engen Kopfsteinpflasterstraßen. Ocker-, Moosorange- und Grautöne schmückten die traditionellen Häuser mit Holzbalken und auskragenden Obergeschossen. Bauarbeiter restaurierten baufällige Gebäude, doch die Straßen wirkten fast verlassen.
Wir passierten die Kirche St. Konstantin und Helena. An scheinbar unscheinbarer Stelle erbaut, markiert sie den Ort, an dem christliche Märtyrer vor Konstantins Legalisierung des Christentums hingerichtet wurden. Eine graue Steinmauer mit gekachelter Kuppe – typisch bulgarisch – verbirgt das dunkle Äußere. Drinnen überraschen goldene Fresken und Ikonen.
Griechische Buchstaben auf den Fresken erinnern an vielfältige Einflüsse. Die bulgarisch-orthodoxe Kirche dominiert, doch Moscheen, Synagogen und protestantische Gotteshäuser prägen die Skyline mit Minaretten und Glockentürmen.
Die Gassen wurden enger, die Häuser baufälliger: Willkommen im Kapana-Viertel, der „Falle“. Graffiti und Streetart beleben die Wände. Ein großes Wandgemälde lädt mit Hügeln, Blumen und historischen Bauten ins kreative Herz Plovdivs ein.
Cafés säumen die Straßen, wo Einheimische die Sonne genießen und ausgiebig speisen. „Kapana ist das hippe Viertel mit eigenem Flair“, sagte Kiril. Wir schlenderten die Knyaz-Alexander-Straße entlang – die längste Fußgängerzone der Welt. Mediterrane Gebäude, Bäume und belebte Plätze vermitteln modernes Leben.
Römische Stadionruinen tauchten auf. „Nur ein Teil ist ausgegraben“, erklärte Kiril und schwang den Arm: „Es erstreckte sich bis zum Forum – riesig!“
An der Schnittstelle von Europa und Nahem Osten vereint Plovdiv Spuren unzähliger Kulturen. Kein Wunder als Kulturhauptstadt. Die Energie pulsiert noch vom Ost-West-Handel.
Auf Nebet Tepe, dem Gründungshügel mit Festungsresten, blickte ich über rote Dächer und grüne Hügel. Das Stadtgeräusch mischte sich mit „uralt und ewig“ – Mottos der Plovdiver Flagge. „Das ist meine Stadt“, schloss Kiril.
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