Züge begeistern unzählige Kinder – vom schrillen Pfiff der Lok bis zu den massiven Hebeln für Bremsen und Beschleunigen. In Budapest müssen Kinder nicht länger nur davon träumen, Zugführer zu werden: Sie können der berühmten Kindereisenbahn beitreten. Rough Guides-Autor John Malathronas, der die Strecke selbst erkundet hat, verrät mehr über dieses einzigartige Erlebnis.
Eine Eisenbahnlinie von Kindern betrieben – aber warum?
Die Wurzeln reichen in die Nachkriegszeit zurück. In Osteuropa entstanden damals Pionier-Eisenbahnen, betrieben von der Jugendorganisation der Kommunisten. Ziel war es, Kindern Teamarbeit beizubringen und talentierte Nachwuchskräfte früh zu fördern. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs behielt Ungarn diese Tradition bei: 1990 wurde die Pionierbahn in Kindereisenbahn umbenannt, und die jungen Mitarbeiter wechselten einfach die Uniformen.
Ist es sicher?
Absolut. Die Kinder sind hochbegabt, erzielen Topnoten in der Schule und absolvieren einen vier-monatigen Ausbildungslehrgang mit Prüfungen wie bei Erwachsenen. Wichtige Positionen wie Lokführer, Stationsvorsteher und Crew-Chief übernehmen Erwachsene. Kinder verkaufen Tickets, kontrollieren Fahrgäste, bedienen Weichen und kümmern sich um Souvenirs – immer unter Aufsicht erfahrener Eisenbahner.
Kinder arbeiten? Ist das ethisch vertretbar?
Keine Sorge: Es handelt sich um ein freiwilliges Engagement für ein Jahr, das als Abenteuer und Lernchance dient. Zweimal monatlich schichten die Kinder außerhalb der Schulzeit, an ihren "Eisenbahntagen" sind sie schulfrei. Im Sommer verbringen Gruppen zwei Wochen in einem Lager bei Hűvösvölgy – Arbeit alle drei Tage, dazwischen Spiele und Ausflüge.
Wie ist die Fahrt?
Im Museum in Hűvösvölgy (auch auf Englisch) lernen Sie die 70-jährige Geschichte kennen, mit Retro-Exponaten aus den 1950er Jahren. Doch die Kinder sind die Stars: Animierte Disney-Helden mit komischer Ernsthaftigkeit. Jungen in blauen Hemden und roten Mützen saluten der abfahrenden Lok, Mädchen in Pilotkas (sowjetisch anmutenden Mützen) prüfen Tickets streng.
Die 45-minütige Fahrt über knapp 12 km führt durch dichte Budaer Wälder mit Eichen und Buchen, vorbei an Kalkfelsen. Spotten Sie Rehe oder Wildschweine! Die Strecke bauten Freiwillige 1948–1950: Der erste Abschnitt (3 km, 3 Stationen) in nur 66 Tagen.
Mit einer Familientageskarte hoppen Sie an neun malerischen Stationen aus. Vadaspark im Wildreservat (Mufflons!), Jánoshegy mit Sessellift zum 528 m hohen Zugliget und Aussichtsturm. Csillebér c: Abenteuerpark. Virágvölgy: Wanderung zum Tündéreszikla (Feenfelsen).
Tipp: Sitzen Sie links für die beste Panoramablick, besonders in der langen Kurve zwischen Hárshegy und Széjuhászné.
Was bei schlechtem Wetter?
Die Strecke fährt ganzjährig (außer montags im Winter). Elf beheizte Wagen, acht offene Sommerwagen. Bei Regen ziehen die Kinder Schutzhüllen über die Fenster.
Wie komme ich hin?
Tram 61 von U-Bahn Széll Kálmán tér zur Endhaltestelle Hűvösvölgy. Rückfahrt mit Zahnradbahn 60 von Széchenyi-hegy. Tram 61 allein lohnt sich: Karpaten-ähnliche Landschaft in Stadtgrenzen, mit gültigen BVV-Tickets.
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