Schaumweine erfreuen sich größter Beliebtheit – ob zum Jahreswechsel oder einfach zum Feierabend. Doch nicht alle kommen aus Frankreich. Zusammen mit Susan Lanier-Graham, einer in Arizona lebenden Weinkennerin und Betreiberin des Blogs Wander With Wonder, tauchen wir ein in die Welt der spanischen Cavas. Lesen Sie, warum diese Schaumweine uns begeistert haben.
Ich liebe einen guten Sekt. Ein welterfahrener Franzose sagte einst: „Es gibt nie eine schlechte Zeit für Champagner.“ Dieses Motto habe ich übernommen und erweitert es auf Schaumweine aus aller Welt. Kürzlich entdeckte ich die spanischen Cavas – hier stelle ich meine Favoriten vor und erkläre, was sie so besonders macht.
Die Tradition der Cava
Das Herz der Cava-Produktion liegt in Sant Sadurní d’Anoia, einer idyllischen Region in Katalonien. Spanien nimmt Cava sehr ernst: Das Cava-Museum CIC Fassina in der Stadt erzählt die Geschichte seit den 1870er Jahren. Damals hieß es noch Champaña. In einer ehemaligen Brennerei erfahren Sie, wie die Branche trotz der Reblauskatastrophe überlebte – sogar mit einem jährlichen Fest in Kostümen zu Ehren des Käfers.

Foto vom jährlichen Reblausfest in Sant Sadurní d’Anoia (Susan Lanier-Graham)
Dank robuste Reben aus den USA erblühte die Industrie neu. Ich habe außergewöhnliche Cavas gefunden, die mit teuren französischen Pendants mithalten. Das Museum bietet englischsprachige Infos; der Besuch dauert ca. eine Stunde. Geführte Touren sind möglich.
Weingut Gramona
Gramona, gegründet 1881 im Herzen von Sant Sadurní d’Anoia, liegt eine Stunde von Barcelona entfernt – ideal für einen Tagesausflug. Das steinerne und hölzerne Gebäude beeindruckt.

Gramona-Keller (Susan Lanier-Graham)
Im Keller schlängelt sich ein Labyrinth mit reifenden Flaschen. Gramona dreht Flaschen handweise und pflegt den Wein traditionell. Die Rebsorten: Xarel·lo („Sharelló“), Macabeu, Pinot Noir und Chardonnay.

Flaschen fast versandfertig bei Gramona (Susan Lanier-Graham)
Mein Highlight: Gramona III Lustros Brut Nature Gran Reserva 2007 (75 % Xarel·lo, 25 % Macabeu). Goldmedaillengewinner bei „50 Great Cavas“ 2017 von Wine Pleasures. Lebendige Perlen, frischer Apfelgeschmack – perfekt zu Manchego und Nüssen.
Freixenet erleben
Freixenet ist in den USA bekannt; spannend, die Ursprünge in Spanien zu sehen. Das 1922 erbaute Weingut strahlt Gatsby-Charme aus.

Freixenet aus dem Jahr 1922 (Susan Lanier-Graham)
Bei einer Tour durch die Höhlen probierten wir Cavas. 18 Meter unter der Erde, umgeben von Fässern, stieg die Vorfreude.

Treppe in die Freixenet-Keller (Susan Lanier-Graham)

Freixenet-Fässer (Susan Lanier-Graham)
Favorit: Freixenet Casa Sala 2006, handgedreht, 7 Jahre Reifung. Pfirsicharoma aus Xarel·lo und Parellada.
Codorníu: Die Kathedrale des Cava
Codorníu, seit dem 16. Jahrhundert existent, brachte 1872 die Schaumwein-Methode aus Frankreich nach Katalonien. Josep Raventós nannte es zunächst Champaña.

Codorníu brachte Schaumwein nach Spanien (Susan Lanier-Graham)
Die 1885 erbaute „Kathedrale“ dient heute als Verkostungsraum. Das Anwesen mit Türmen und Glyzinien ist ein Highlight; das Herrenhaus ideal für Events.

Codorníu-Gelände (Susan Lanier-Graham)
Seit 1897 Lieferant der Königsfamilie, Nationaldenkmal seit König Juan Carlos I. Täglich geöffnet für Touren und Verkostungen.

Codorníu als Nationaldenkmal (Susan Lanier-Graham)
Top: Reina María Cristina Blanc de Noirs 2013 Reserva aus Pinot Noir. Hell, blumig mit Rosen- und Erdbeerduft, 15 Monate Reifung.

Codorníu Reina María Cristina Blanc de Noirs 2013 (Susan Lanier-Graham)
Die Cava-Region ist zauberhaft – tolle Leute, Essen und Städte wie Pals.

Pals in Katalonien (Susan Lanier-Graham)
Mit so vielen Schaumweinen weltweit passe ich den Spruch an: Es gibt nie eine schlechte Zeit für Blasen. Prost!