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Authentisches Leben mit Einheimischen: Drei Tage Trekking im ländlichen Shan-Staat Myanmars

Als Touristen nach Myanmar (Birma) strömen, taucht die erfahrene Reisende Melanie Kramers tief in die Landschaft ein, lebt wie eine Einheimische und entdeckt eine faszinierende Mischung aus Tradition und Moderne.

Die von Hand gerollte Zigarre zwischen die Zähne geklemmt, starrt die ältere Frau uns fest an und gibt ein kehliges Grunzen von sich. Es klingt zunächst wie das murrige Knurren eines mürrischen Teenagers, doch ihr wettergegerbtes Gesicht verzieht sich zu einem breiten Grinsen. Dieses Geräusch hören wir auf unserer dreitägigen Wanderung durch den östlichen Shan-Staat Myanmars mehrmals. Unser Führer Do’h erklärt später: Im lokalen Pa’oh-Dialekt drückt ein tiefes Grunzen Zustimmung aus.

Vor meiner Reise nach Myanmar fragte ich mich, wie der Empfang ausfallen würde. Das Land und seine Menschen waren jahrzehntelang isoliert. Ich kannte Bilder von Aung San Suu Kyi, die blumenbekränzt aus dem Hausarrest entlassen wurde, um an den ersten freien Wahlen seit Langem teilzunehmen. Ich las von strömenden ausländischen Investitionen. Nun wollte ich das Leben in einer Nation erleben, die an der Schwelle zu tiefgreifenden Veränderungen steht.

Im fruchtbaren Ackerland zwischen Kalaw und dem Inle-See wirken die Bauern, die Felder manuell bestellen, wie in einer Zeitblase gefangen. Vier Frauen mit leuchtend orangenen karierten Kopftüchern winken uns zu, bevor sie ihre Hacken wieder schwingen. Die Arbeit in der sengenden Sonne ist Knochenarbeit. Traditionelle Rollen prägen das Dorfleben: Frauen säen und jäten, Männer lenken Wasserbüffel mit schweren Holzpflügen – und gönnen sich dann den Nachmittag frei.

In den Dörfern zeigen sich moderne Einflüsse: Neongrüner Nagellack an den Zehen eines Teenagers oder trendige gebleichte Frisuren. Die Landwirtschaft bleibt unmechanisiert, doch Straßenhändler füllen recycelte Whiskyflaschen mit Benzin für glänzende, importierte koreanische Motorräder.

Auf einem Bambushaus weist Do’h auf einen Solarpanel hin, der auf dem Wellblechdach glänzt. Er liefert Strom für ein paar Glühbirnen und gelegentliche DVDs. Daneben hängt stolz ein Kalender mit Aung San Suu Kyi – bis vor Kurzem verboten.

Das Tempo des Wandels in diesen isolierten Dörfern ist schwer abzuschätzen. Die Bewohner bevorzugten lange die Abgeschiedenheit, um staatliche Eingriffe zu meiden. Offiziell feiert man am 2. März den Tag der Bauern, doch die Leute arbeiten weiter nach dem Mondkalender. Neue Straßen deuten jedoch auf nahende Veränderungen hin.

In der Trockenzeit führen staubige rote Pfade einfach zur Wanderung, doch die Mittagssonne erfordert Pausen unter uralten Banyan-Bäumen. Am Fluss sprießen smaragdgrüne Zwiebeln in Baumschulen, Terrassenfelder warten gepflügt. Hohe Papaya- und Bananenbäume locken, Mangos blühen erst im Juli. Do’h knackt eine Puddingbohne: „Ein Abführmittel“, erklärt er grinsend.

Am Nachmittag erreichen wir Kyauk Su, ein Dorf mit rund 10 Familien. Wir schöpfen Brunnenwasser, um roten Staub abzuwaschen. Unsere grunzend-lächelnde Gastgeberin weist auf den richtigen Eimer hin – fern vom Abwaschplatz.

Um 18:30 Uhr fällt die Nacht herein, Sterne funkeln. Auf Bambusmatten essen wir korianderfrische Fischsuppe, gebratene Nudeln mit Tofu und Knoblauch-Brunnenkresse, gefolgt von klebrigem Erdnusskrokant. Junge Dorfbewohner laden ans Lagerfeuer: Gitarrenklänge, emotionale Soft-Rock-Balladen. Unsere Gruppe singt schüchtern „Frère Jacques“ – höflicher Applaus folgt.

Im Obergeschoss über dem Ingwerlager schlafen wir auf Matten, Füße respektvoll von der Buddha-Ikone abgewandt. Vogelgezwitscher weckt uns. Draußen rasseln Motorräder, Koriandersamen, Kinderlärm, brüllende Büffel. Unsere Gastgeberin opfert Reis ans Schrein, serviert Pfannkuchen und Ingwertee.

Die herzliche Gastfreundschaft beeindruckt: Kinder mit Thanaka-Paste (natürlicher Sonnenschutz) tanzen und posieren. Ältere Generationen freuen sich über neues Einkommen nach der Feldarbeit.

Doch wie lange bleibt Tourismus eine Neuheit? Puttu, unser zweites Dorf, ist Trekking-Hotspot. Myanmar sah 2011 300.000 Touristen, 2012 eine Million – die Zahlen steigen weiter.

Unser Reiseleiter warnt: Einnahmen nutzen den Einheimischen, doch unkontrollierter Zustrom könnte die Authentizität mindern. Wie passen sich die Burmesen an?

Die Begrüßung „Wo warst du? Wohin gehst du?“ passt perfekt zu diesen wandelbaren Zeiten.

Oberes Bild © ImageBySutipond/Shutterstock