Zentralasien laboriert unter einem ungerechtfertigten Image als trostloser, langweiliger Landstrich mit fade Küche. Doch wer diese unterschätzte Region bereist, entdeckt atemberaubende Landschaften, köstliche Speisen und eine der herzlichsten Gastfreundschaften weltweit. Als erfahrener Reisender räume ich hier mit sieben hartnäckigen Vorurteilen auf.
1. Zentralasien ist düster und leer
Ja, rund 70 Prozent von Kasachstan bestehen aus Steppe oder halbtrockener Wüste. Doch der Rest der Region ist ein Paradies für Naturliebhaber: majestätische Gipfel, kristallklare Seen und dichte Wälder. Das Tian-Shan-Gebirge lädt zum Skifahren und zu Touren an Alpenseen ein. In Usbekistans Wüsten finden Sie verfallene Seidenstraßenstädte, am Issyk-Kul-See traumhafte Binnenstrände und in Afghanistan sowie Tadschikistan die schneebedeckten Pamir-Berge.
In unserer überfüllten Welt hat diese Weite einen besonderen Reiz – pure Erholung pur.
2. Hammelfleisch zum Frühstück, Mittag und Abendessen
Zentralasiaten sind robuste Menschen und bieten Gästen manchmal ungewöhnliche Speisen an. Doch als gastfreundliche Gastgeber zwingen sie niemandem Lamm-Augen oder -Schwänze auf – es sei denn, Sie möchten probieren.
Die Küche ist eine wahre Entdeckung: Heiße Samsa mit Kürbisfüllung als Streetfood, frisch gegrillter Schaslik zum Mitnehmen und saftige Granatäpfel – entsaftet, über Auberginen-Salat gestreut oder direkt vom Händler gelöffelt. Frisches Non-Brot, sesamüberstreut und im Tandyr-Ofen gebacken, ist ein Highlight. Jede Region schwört auf ihre Variante, von Georgien bis Kasachstan.
3. Der Kundenservice ist entsetzlich
Im Gegenteil: Überall erwarten Sie breite Lächeln. Die berüchtigte russische Schroffheit hat sich hier nie durchgesetzt. Dank des sonnigen Klimas zählen Zentralasiaten zu den gastfreundlichsten Menschen der Welt. Einheimische helfen gerne mit Tipps zu Wanderungen, Restaurants oder Reiserouten.
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4. Es gibt nichts zu tun
Abseits der Massentourismuspfade fehlen Weltklasse-Museen oder pulsierendes Nachtleben. Dafür gibt es eine faszinierende Kultur, die das wettmacht: Epische Wanderungen im Tian Shan, Roadtrips auf dem Pamir Highway in Tadschikistan, extremes Camping am Darvaza-Krater („Tor zur Hölle“) in Turkmenistan oder der Osh-Basar in Bischkek.
Für Abenteuerlustige: Buzkashi, das traditionelle Pferdepolo mit Ziegenkopf – nicht für Sensible.
5. Die Museen sind leer und langweilig
Zentralasien selbst ist ein offenes Museum. Buchara in Usbekistan, eine 2000 Jahre alte Seidenstraßenstadt, fühlt sich wie eine Zeitreise an: Minarette ragen über Lehmmauern, die Ark-Festung strahlt Geschichte aus.
In Nukus beherbergt die Savitsky-Sammlung die weltweit zweitgrößte Avantgarde-Kunst aus der Sowjetzeit. In Almaty lohnt das Mukhtar-Auezov-Hausmuseum für Einblicke ins sowjetische Alltagsleben.
6. Es ist teuer
Abseits der Pfade kann es kostspielig werden, doch Zentralasien öffnet sich dem Tourismus. Wo Hotels fehlen, laden Gastfamilien ein – fragen Sie einfach beim Aussteigen aus Bus oder Zug. Für ein paar Dollar lernen Sie die Region authentisch kennen.
Im Sommer campen Sie günstig in Jurten am Song-Kul-See. In Restaurants reicht ein Fünfer für ein opulentes Mahl.
7. Überall alte Sowjetflieger – purer Überlebenskampf
Nach 1991 flogen die Airlines mit Aeroflot-Resten. Heute ist es sicherer: Air Astana ist EU-konform, Uzbekistan Airlines und Aeroflot modernisiert. Hochgeschwindigkeitszüge wie der Afrosiyob verbinden Taschkent, Samarkand und Buchara in 4 statt 11 Stunden – günstig und bequem, trotz bürokratischer Schalter.