Nur eine Stunde von Shanghai entfernt, ist Moganshan ein idyllischer Rückzugsort inmitten von Bambuswäldern – ideal für ein entspanntes Wochenende. Jamie Fullerton taucht ein in die Natur.
Shanghai fasziniert mit Aufregung, Intensität und pulsierendem Leben, doch friedlich ist es selten. Besucher, die den Lärm der Autohupen dämpfen möchten, finden in Moganshan den perfekten Zufluchtsort. Nur eine Autostunde von Hangzhou entfernt und weniger als eine Zugstunde von Shanghai, bietet diese Bergregion pure Erholung.
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sich hier Missionare an, die der glühenden Sommersonne Shanghais entfliehen wollten – wie 2013 mit rekordverdächtigen Hitzewerten. Heute ist Moganshan ein beliebter, aber ruhiger Hotspot für Reisende und Einheimische.
Von Luxus bis Budget: High-End-Resorts wie Naked Retreat locken mit umweltfreundlichen Entgiftungen und Massagen. Als erfahrener Reisender bevorzugte ich aktive Erholung und buchte ein Zimmer im Forest Holiday House für 30 Pfund pro Nacht.
Dieses hangläufige Haus fasst bis zu 20 Gäste und lässt sich ganz oder teilweise mieten – ein Glücksspiel bei Mitbewohnern: vom potenziellen Traumpartner bis zur lauten Kindergruppe. Mit Ledersofas, alten DVDs und Billardtisch wirkt es wie eine gemütliche Skihütte.
Aufmerksame Ayis (Hausangestellte, die putzen und kochen) zaubern nährstoffreiche lokale Gerichte für 6 £ pro Mahlzeit. Tee und Kaffee stehen bereit, doch Snacks mitbringen lohnt sich. Am ersten Abend sehnte ich mich nach Schokoladen-HobNobs – bei Dunkelheit gibt es keine Läden in der Nähe, und unbeleuchtete Pfade wirken wie aus Blair Witch Project.
Die Lodge dient als Basis für Wanderungen. Die hauseigenen Karten sind rudimentär, aber als Orientierungshilfe nützlich. Trail Three führt rasch in Bambuswälder mit Blick auf dramatische Hügel. Hier stößt man auf eine 1898 erbaute deutsche Villa – Relikt der frühen 20er-Jahre, als Shanghais Elite hier residierte.
Weitere verfallene Villen säumen Straßen nahe Yin Shan Jie, Moganshans "zentralem" Treffpunkt. Viele wurden in den 1930er Jahren von Kommunisten übernommen. Die Moganshan Lodge serviert kaltes Bier und westliche Gerichte zu etwas überhöhten Preisen.
Yin Shan Jie führt zur Aussichtsplattform mit Café – ideal für atemberaubende Panoramen über grüne Hügel.
Am zweiten Tag entdeckte ich Teeplantagen: Arbeiter pflücken Blätter, winken mit "Nǐ hǎo". Wie aus einem Bilderbuch, doch man verliert leicht die Orientierung – wie ich, als ich durch einen Kilometer langen Tunnel irrte, geleitet von einer iPhone-Karte.
Trotzdem: Moganshan ist der ideale Ort, um sich bewusst zu verirren.